Viszeralmedizin NRW 2026. 192. Jahrestagung der Niederrheinisch-Westfälischen Gesellschaft für Chirurgie, 34. Jahrestagung der Gesellschaft für Gastroenterologie
Viszeralmedizin NRW 2026. 192. Jahrestagung der Niederrheinisch-Westfälischen Gesellschaft für Chirurgie, 34. Jahrestagung der Gesellschaft für Gastroenterologie
EUS-gesteuerte transgastrische ERCP (EDGE) nach Konversion einer Sleeve-Gastrektomie (SG) zu einem Roux-Y-Magenbypass (SG-RYGB): endoskopische Salvage-Therapie postoperativer biliärer Komplikationen bei komplex veränderter chirurgischer Anatomie
Text
Hintergrund und Ziel: Bei Patienten mit bariatrischem Roux-Y-Magenbypass (RYGB) ist eine konventionelle ERCP aufgrund der veränderten Anatomie nicht möglich. Therapeutische Alternativen sind die EUS-gesteuerte transgastrische ERCP (EDGE), die laparoskopisch-assistierte ERCP (LA-ERCP) und die enteroskopische ERCP (E-ERCP). Bei der EDGE wird mittels eines lumenadaptierenden Metallstents (LAMS) eine Fistel zwischen Magenpouch und ausgeschaltetem Magen geschaffen, wodurch eine ERCP wieder möglich wird. Obwohl die EDGE bei RYGB effektiv ist, wird das Verfahren nach Konversion einer Sleeve-Gastrektomie (SG) zum RYGB (SG-RYGB) aufgrund des begrenzten Arbeitsraums seltener eingesetzt. Wir berichten über eine EDGE als Salvage-Therapie nach Versagen alternativer Verfahren. Eine 64-jährige Patientin mit SG-RYGB unterzog sich in einem externen Krankenhaus einer elektiven Cholezystektomie. Aufgrund einer postoperativen Leckage des Zystikusstumpfes sowie einer Choledocholithiasis wurde eine LA-ERCP durchgeführt. Bei schwieriger biliärer Kanülierung gelang lediglich die Sondierung des Pankreashauptganges mit Implantation eines Plastikstents (PS). Anschließend erfolgte die Verlegung in die chirurgische Abteilung unseres Klinikums. Es wurde eine explorative Laparotomie mit Choledochusrevision und partieller Steinentfernung durchgeführt. Aufgrund einer persistierenden Galleleckage und dem Versagen konservativer Maßnahmen (CT-gestützte Drainage eines Bilioms im Gallenblasenbett, antibiotische Therapie) wurde die Patientin zur Durchführung einer EDGE in unsere gastroenterologische Abteilung verlegt.
Methode: Der ausgeschaltete Magen wurde mithilfe eines therapeutischen Echoendoskops und einer 19-Gauge-EUS-Nadel punktiert, nach Kontrastmittelgabe zur Lageverifikation mit einem Wasser-Indigokarmingemisch distendiert und anschließend ein 20×10 mm elektrokauter-gestützter LAMS implantiert, wodurch eine gastro-gastrische Fistel geschaffen wurde.
Ergebnis: Die EDGE zeigte große Gallengangskonkremente, die Zystikusstumpfleckage sowie den noch einliegenden PS. Nach biliärer Sphinkterotomie wurden alle Steine extrahiert, ein 10-Fr.-Plastikstent biliär implantiert und der PS entfernt. Nach Abheilung der Leckage erfolgte die Entfernung von biliärem Stent und LAMS.
Zusammenfassung: Der Fall unterstreicht den Stellenwert der EDGE für das Management postoperativer biliopankreatischer Komplikationen bei RYGB-Patienten, auch nach SG-Konversion. In tertiären Endoskopie-Zentren sollte die EDGE in solchen Situationen frühzeitig eingesetzt werden.



