Logo

Viszeralmedizin NRW 2026. 192. Jahrestagung der Niederrheinisch-Westfälischen Gesellschaft für Chirurgie, 34. Jahrestagung der Gesellschaft für Gastroenterologie


18.-19.06.2026
Dortmund

Meeting Abstract

Betrunken zu sein, ohne einen einzigen Tropf Alkohol zu konsumieren: Eigenbrauer-Syndrom

S. Lamprinaki - Kreiskliniken Herford-Bünde AöR, Innere Medizin und Gastroenterologie, Bünde, Deutschland
A. Al-Ghaffari - Kreiskliniken Herford-Bünde AöR, Innere Medizin und Gastroenterologie, Bünde, Deutschland
A. Timmer-Stranghöner - Kreiskliniken Herford-Bünde AöR, Innere Medizin und Gastroenterologie, Bünde, Deutschland

Text

Hintergrund und Ziel: Das Eigenbrauer-Syndrom (Auto-Brewery Syndrom) ist eine seltene Erkrankung. Bei gesunden Menschen wird Ethanol in geringen Mengen bei der Verdauung produziert. In dem Fall des Eigenbrauer-Syndroms wird, durch pathologische Vermehrung von fermentierenden Pilzen oder Bakterien, eine größere Ethanolmenge produziert.

Methode: Die Ursache der pathologischen Vermehrung von fermentierenden Mikroorganismen ist eine Störung des Mikrobioms. Eine genaue Kausalität ist noch nicht bekannt, aber Ernährung mit hohem Gehalt an Kohlenhydraten und Gebrauch von Antibiotika stehen möglicherweise damit in Zusammenhang. Das Eigenbrauer Syndrom kann ansonsten gesunde Menschen betreffen oder im Rahmen von anderen Grunderkrankungen, wie z.B. Diabetes mellitus Typ 2, Leberzirrhose, Kurzdarmsyndrom, chronisch intestinaler Pseudoobstruktion oder Dünndarmfehlbesiedlung auftreten. Erreger wie Hefepilze aus der Familie Candida (C. glabrata, C. albicans, C. kefyr und C. parapsilosis) und Saccharomyces (S. cerevisiae und S. boulardii) sind bei Patienten mit Eigenbrauer-Syndrom nachgewiesen worden.

Ergebnis: Die Symptome sind nicht pathognomonisch. Häufig beklagen die Patienten Erbrechen, Aufstoßen, chronisches Erschöpfungssyndrom, Depression, Schwindel, Koordinationsstörungen, Diarrhö, Abdominalgien. Die Patienten werden initial zu Unrecht als Alkoholintoxikierte Patienten wegen der ähnlichen klinischen Symptome und des erhöhten Alkoholspiegels im Blut betrachtet.

Zusammenfassung: Der 41-jährige Patient stellt sich mit Symptomen einer Alkoholintoxikation vor, bzw. rezidivierender Bewusstseinsstörung unklarer Genese seit ca. 2 Jahren, wässrige Diarrhoen und Erbrechen. Als Vorerkrankungen bestehen eine Hyperurikämie und Hypercholesterinämie. Es zeigte sich ein Blutalkoholspiegel von 2,52 Promille. Es erfolgte eine ausführliche neurologische und psychiatrische Untersuchung als auch ausführliche Bildgebung. In den Stuhlproben konnte Candida dubliensis nachgewiesen werden. In der Literatur gibt es keine Referenz über den Keim in Zusammenhang mit dem Eigenbrauer Syndrom bis dato. Als therapeutische Maßnahmen wurde eine kohlenhydratarme Diät (ca. 50 g Kohlenhydrate/Tag), intravenöse Therapie mittels Micafundin über 7 Wochen als auch Probiotika (Colibiogen oral) verabreicht. Nach der antimykotischen Therapie bestand für ca. 2 Monaten eine klinische Remission, jedoch ohne vollständige Anfallsfreiheit. Eine weitere Therapieoption wäre die Evaluation der Möglichkeit einer fäkalen Mikrobiota-Transplantation/Stuhltransplantation).