52. Tagung der Bayerischen Urologenvereinigung und der Österreichischen Gesellschaft für Urologie und Andrologie
52. Tagung der Bayerischen Urologenvereinigung und der Österreichischen Gesellschaft für Urologie und Andrologie
Reevaluation einer unauffälligen multiparametrischen Prostata-MRT bei klinischer Risikokonstellation: Bedeutung für PI-RADS-Upgrading und Karzinomnachweis
Text
Einleitung: Die Prostate Imaging Reporting and Data System (PI-RADS) Beurteilung ist mit hoher Expertise und konsekutiv großer Untersuchervariabilität assoziiert. Der Stellenwert der Reevaluation von multiparametrischen Magnetresonanztomographien der Prostata (MRT) ohne Fokusläsion und persistentem Prostatakarzinom-(PCa-)Verdacht ist unklar.
Methodik: Patienten mit klinischen Risikofaktoren (suspektem PSA und/oder rektaler Untersuchung, positiver PCa-Familienanamnese, aktiver Überwachung, Hämatospermie, Mikrohämaturie) und konsekutivem MRT ohne Fokusläsion wurden zwischen Jänner 2021 und Juli 2024 einer intramuralen radiologischen Reevaluation zugewiesen. Hiernach erfolgte entweder eine MRT-Fusionsbiopsie (FB) mit konkomitanter systematischer Prostatabiopsie (SB), die alleinige SB (12–28 Stanzen) oder die Observanz.
Ergebnisse: Insgesamt wurden 249 Patienten mit extern beurteiltem MRT ohne Fokusläsion reevaluiert. Bei 53 Männern (21%) zeigte sich intramural ein PI-RADS-Upgrading mit Nachweis von ≥1 Fokusläsion (PI-RADS 3–5). Insgesamt wurden 142 Patienten biopsiert. Ein PCa wurde bei 44 Männern (31%) und ein klinisch signifikantes PCa (csPCa) bei 29 Männern (20%) diagnostiziert. Von den Zuweisungsparametern war ausschließlich eine positive PCa-Familienanamnese signifikant mit einem intramuralen PI-RADS-Upgrading assoziiert (p = 0,002), während sich für andere Zuweisungsdiagnosen kein signifikanter Zusammenhang zeigte. Eine höhere PSA-Dichte (csPCa: 0,17 vs. kein csPCa: 0,10 ng/ml/cm3; p < 0,001) sowie ein intramurales PI-RADS-Upgrading (p = 0,036) traten bei Männern mit csPCa signifikant häufiger auf. In der multivariaten binär-logistischen Regression blieben ausschließlich die PSA-Dichte (p = 0,004) und ein PI-RADS-Upgrading (p = 0,04) unabhängige Prädiktoren für das Vorliegen eines csPCa.
Schlussfolgerung: Die Reevaluation von Prostata-MRTs ohne Fokusläsion bei klinischer Risikokonstellation deckt in einem relevanten Anteil bislang nicht erkannte suspekte Läsionen auf. Eine erhöhte PSA-Dichte sowie ein intramurales PI-RADS-Upgrading sind unabhängige Prädiktoren für ein klinisch signifikantes Prostatakarzinom und unterstreichen den Stellenwert einer strukturierten Zweitbeurteilung initial unauffälliger MRT-Befunde.



