52. Tagung der Bayerischen Urologenvereinigung und der Österreichischen Gesellschaft für Urologie und Andrologie
52. Tagung der Bayerischen Urologenvereinigung und der Österreichischen Gesellschaft für Urologie und Andrologie
Psychosozialer Distress bei Prostatakarzinom-Patienten nach radikaler Prostatektomie: Eine Längsschnittstudie
Text
Einleitung: Distress bezeichnet ein breites Spektrum psychischer Belastungen von Patienten und Patientinnen mit Krebs, das von emotionalen Gefühlen der Verletzlichkeit und Traurigkeit bis hin zu klinisch relevanten psychischen Störungen reicht. Gemäß der S3-Leitlinie Psychoonkologie sollte neben Distress auch das subjektive Bedürfnis nach psychologischer Unterstützung erfragt werden, um den individuellen psychoonkologischen Unterstützungsbedarf zu bestimmen. Ziel dieser Studie ist die Untersuchung des Distress-Levels und des subjektiven psychosozialen Unterstützungsbedarfs bei Prostatakarzinom-Patienten präoperativ sowie im ersten postoperativen Jahr.
Methodik: In dieser prospektiven Längsschnittstudie wurde das Distress-Level bei 278 Prostatakarzinom-Patienten untersucht, die eine radikale Prostatektomie als Primärtherapie erhielten. Die Datenerhebung erfolgte präoperativ sowie 3, 6 und 12 Monate postoperativ mittels standardisierter Fragebögen. Zur Erfassung des Distress-Levels wurde der „Fragebogen zur Belastung von Krebskranken“ (FBK-R10) eingesetzt. Dieser umfasst fünf Skalen: psychosomatische Beschwerden, Progredienzangst, Alltagseinschränkungen, Informationsdefizite und soziale Belastungen. Darüber hinaus wurde der subjektive psychosoziale Unterstützungsbedarf mittels eines Einzelitems erhoben.
Ergebnisse: Das Durchschnittsalter bei RP betrug 66,0 Jahre (SD±7,3), die überwiegende Mehrheit (96,0%) der Patienten war in einer Partnerschaft und mehr als die Hälfte (58,9%) hatte ein hohes Bildungsniveau. Der Anteil an Patienten mit einem positiven Screening auf Distress lag präoperativ bei 18,0% und betrug 3, 6 bzw. 12 Monate postoperativ 25,5%, 22,7% bzw. 24,8%. Zusätzlich äußerten auch Patienten mit negativem Screening auf Distress einen Wunsch nach psychosozialer Unterstützung. Dieser Anteil lag präoperativ bei 7,7% und betrug 15,6%, 10,3% bzw. 12,0% zu den Zeitpunkten 3, 6 bzw. 12 Monate postoperativ. Postoperativ gaben die Patienten die größte Belastung in den Skalen psychosomatische Beschwerden, Progredienzangst sowie Alltagseinschränkungen an, mit der höchsten Ausprägung 3 Monate postoperativ.
Schlussfolgerung: Trotz negativem Screening auf Distress besteht bei einem relevanten Anteil an Prostatakarzinom-Patienten ein Wunsch nach psychologischer Unterstützung. Drei Monate postoperativ ist ein wichtiger Zeitpunkt erhöhter Belastung, weshalb ein wiederholtes Screening auf Distress und die Erhebung des subjektiven Unterstützungsbedarfs prä- und postoperativ empfohlen werden sollten.



