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52. Tagung der Bayerischen Urologenvereinigung und der Österreichischen Gesellschaft für Urologie und Andrologie


06.-08.05.2026
Würzburg

Meeting Abstract

Stellenwert der ¹⁷⁷Lu-FAPI-Radioligandentherapie im metastasierten Peniskarzinom – Proof of Concept

Florian W. Siegel - Klinik und Poliklinik für Urologie, TUM Universitätsklinikum, School of Medicine and Health, München, Deutschland
Theo Lorenzini - Klinik und Poliklinik für Nuklearmedizin, TUM Universitätsklinikum, School of Medicine and Health, München, Deutschland
Moritz Peters - Klinik und Poliklinik für Urologie, TUM Universitätsklinikum, School of Medicine and Health, München, Deutschland
Karina Knorr - Klinik und Poliklinik für Nuklearmedizin, TUM Universitätsklinikum, School of Medicine and Health, München, Deutschland
Merten Kliebisch - Klinik und Poliklinik für Urologie, TUM Universitätsklinikum, School of Medicine and Health, München, Deutschland
Wolfgang A. Weber - Klinik und Poliklinik für Nuklearmedizin, TUM Universitätsklinikum, School of Medicine and Health, München, Deutschland
Margitta Retz - Klinik und Poliklinik für Urologie, TUM Universitätsklinikum, School of Medicine and Health, München, Deutschland
Jürgen E. Gschwend - Klinik und Poliklinik für Urologie, TUM Universitätsklinikum, School of Medicine and Health, München, Deutschland
Matthias Eiber - Klinik und Poliklinik für Nuklearmedizin, TUM Universitätsklinikum, School of Medicine and Health, München, Deutschland
Lena M. Unterrainer - Klinik und Poliklinik für Nuklearmedizin, TUM Universitätsklinikum, School of Medicine and Health, München, Deutschland

Text

Einleitung: Das metastasierte Peniskarzinom ist eine seltene und aggressive Erkrankung mit begrenzten systemischen Therapieoptionen. Das Fibroblasten-aktivierende Protein (FAP) wird von tumorassoziierten Fibroblasten bei vielen Tumorentitäten – wie auch dem Peniskarzinom – überexprimiert. In den letzten Jahren wurden mehrere FAP-gerichtete Radioliganden entwickelt, die sowohl für die Diagnostik als auch eine zielgerichtete nuklearmedizinische Therapie nach leitliniengerechter Behandlung eingesetzt werden können.

Methodik: In zwei Fallberichten werden zwei Patienten im Alter von 40 und 48 Jahren mit lymphogen metastasiertem Peniskarzinom vorgestellt, bei denen nach Cisplatin, 5-Fluorouracil, Paclitaxel sowie einer Immuntherapie mit Cemiplimab, eine Therapie mit einem FAP-gerichteten Liganden (¹⁷⁷Lu-RTX2358) durchgeführt wurde. Voraussetzung war der Nachweis einer ausreichenden FAP-Expression der Tumorläsionen in der prätherapeutischen FAPI-PET/CT. Pro Patient wurden 2 Zyklen 177Lu-RTX2358 im Abstand von 6 Wochen appliziert (mittlere Aktivität/Zyklus: 6,0 GBq), sowie dosimetrische SPECT/CT-Aufnahmen posttherapeutisch zu mehreren Zeitpunkten (bis 7 Tage p.i.) durchgeführt. Ein Restaging mittels FAPI-PET/CT wurde 20 bzw. 27 Tage nach dem zweiten Zyklus durchgeführt.

Ergebnisse: Die prätherapeutischen FAPI-PET/CT zeigten eine signifikant gesteigerte FAPI-Aufnahme in den multifokalen Lymphknotenmetastasen (SUVmax Patient 1: 15,9; SUVmax Patient 2: 31,7). Die posttherapeutischen dosimetrischen Aufnahmen zeigten noch 7 Tage nach Therapie mit 177Lu-RTX2358 eine hohe Speicherung in den Tumorläsionen sowie auf deutlich niedrigerem Niveau in Weichteilgewebe (Muskel). Das Restaging mittels FAPI-PET/CT nach 2 Zyklen zeigte bei beiden Patienten eine Tumorprogression mit Größenprogredienz der lymphogenen Metastasierung sowie einer neuen pulmonalen Metastase. Die FAP-gerichtete Ligandentherapie zeigte eine gute Verträglichkeit; es trat lediglich eine Thrombozytopenie CTCAE-Grad 2 auf.

Schlussfolgerung: Die hier vorgestellten Fallkasuistiken sind unseres Wissens nach die ersten zum Einsatz einer FAP-gerichteten Therapie beim Peniskarzinom. Desweiteren konnten wir das Potenzial der FAP-gerichteten Bildgebung in dieser Tumorentität aufzeigen. Thrombozytopenien und ein früher bildgebender Progress legen nahe, dass eine sorgfältige dosimetrische Planung prätherapeutisch durchgeführt werden sollte. Aktuell werden verschiedene nuklearmedizinische FAP-Therapeutika präklinisch evaluiert mit dem Ziel – bei reduzierter Knochenmarkstoxizität – hohe absorbierte Tumordosen zu erreichen.