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52. Tagung der Bayerischen Urologenvereinigung und der Österreichischen Gesellschaft für Urologie und Andrologie


06.-08.05.2026
Würzburg

Meeting Abstract

Stumpfes Abdominaltrauma mit Skistock in den linken Oberbauch: Nierenruptur und Scherverletzung des Kolon deszendenz

Peter Rehder - Medizinische Universität Innsbruck, Operative Medizin Urologie, Innsbruck, Österreich
Andrea Kerschbaumer - Medizinische Universität Innsbruck, Operative Medizin Urologie, Innsbruck, Österreich
Patricia Kink - Medizinische Universität Innsbruck, Operative Medizin Urologie, Innsbruck, Österreich
Gennadi Tulchiner - Medizinische Universität Innsbruck, Operative Medizin Urologie, Innsbruck, Österreich
Lukas Jelisejevas - Medizinische Universität Innsbruck, Operative Medizin Urologie, Innsbruck, Österreich

Text

Einleitung: Ein 35-jähriger Skifahrer erleidet einen Sturz auf der Piste, wobei der Skistock schräg links stumpf die Weichteile gegen die Wirbelsäulenkörper presst. Er wirkt sichtlich geschockt und wird notfallmäßig in den Schockraum einer nahegelegenen Uniklinik überstellt. Prellungen mit Hauthämatomen deuten auf ein schweres stumpfes Trauma im linken Oberbauch hin.

Methodik: Der Patient wird stabilisiert und bekommt eine Notfall Ganzkörper CT Untersuchung. Es stellt sich eine Grad IV Nierenruptur dar, mit großem perirenalem Hämatom. Nach Stabilisierung wird der Patient auf die Intensivstation zur Beobachtung aufgenommen. Zwei Tage danach entwickelt er ein akutes Abdomen, und wird zunehmend kardiovaskulär instabil und bekommt ein 4-Phasen Abdomen/ kleines Becken CT: Aktive Blutung aus der Niere mit sämtlichen post-traumatischen Pseudoaneurysmen, dazu freie Luft intraperitoneal. Gleich anschließend werden 2 der 4 Nierenarterien endovaskulär gecoilt/ embolisiert, mit nachfolgender explorativen Laparotomie.

Ergebnisse: Zusätzlich zur Nierenruptur ergab sich eine Perforation des Kolon deszendenz, inklusive sämtliche retroperitoneale, mesenterische, mesokolische und Bauchdeckenhämatome. Bei abwesender intraperitonealer Verschmutzung werden die Kolonränder angefrischt und primär vernäht. Der postoperativer Verlauf gestaltet sich komplikationslos, mit Entlassung in die häusliche Pflege 13 Tage nach dem Trauma.

Schlussfolgerung: Scherverletzungen entstehen insbesondere an Stellen, wo Gewebe unterschiedlicher Konsistenz und Festigkeit aneinander grenzen. Gewalteinwirkung schiebt diese Schichten wegen den Tangentialkräften auseinander, mit relativ typischen Verletzungsmustern. In der Niere folgten Parenchym Einrisse und wegen Strecken der Arterien sämtliche Schwachstellen mit Pseudoaneurysmabildung. Im Kolon wurde die Mukosaschicht von der Seromuskularisschicht auseinander gerissen, mit retrospektiv bereits Luft in der Darmwand im allerersten CT bei Aufnahme. Zwei Tage nach dem Trauma Ereignis kam es zu erneuter Blutung aus den Nierenarterien, und die Schwachstelle der Kolonwand rupturierte. Die Therapie erfolgte mittels Arteriographie und endovaskulärer Embolisation, gefolgt von einer explorativen Laparotomie mit primärer Kolonnaht bei abwesender intraperitonealer Verschmutzung durch Koloninhalt.