52. Tagung der Bayerischen Urologenvereinigung und der Österreichischen Gesellschaft für Urologie und Andrologie
52. Tagung der Bayerischen Urologenvereinigung und der Österreichischen Gesellschaft für Urologie und Andrologie
Das Sexualleben von Medizinstudierenden im Vergleich vor und nach der COVID-19-Pandemie
Text
Einleitung: Die COVID-19-Pandemie und die damit verbundenen Eindämmungsmaßnahmen führten zu erheblichen Einschränkungen sozialer Kontakte, insbesondere bei jungen Erwachsenen in einer zentralen Phase sozialer und sexueller Entwicklung. Ziel dieser Analyse war es, das Sexualleben von Medizinstudierenden im Gruppenvergleich vor und nach der COVID-19-Pandemie zu untersuchen.
Methodik: Die Datenerhebung erfolgte im WiSe2017–WiSe2019 (Prä-Pandemie-Gruppe) und nach einer Erhebungspause von drei Semestern, im WiSe2021–SoSe2025 (Post-Pandemie-Gruppe). Medizinstudierende der Technischen Universität München wurden im Rahmen des Praktikumstags (8./9. Semester) in der Urologie mittels eines anonymisierten Fragebogens befragt. Die Gruppen Prä- und Post-Pandemie wurden bezüglich soziodemografischer Parameter, Aspekte des Sexuallebens, Pornografiekonsum, Nutzung sozialer Medien sowie Kommunikation über Sexualität verglichen.
Ergebnisse: In die Analyse wurden 1.900 Medizinstudierende eingeschlossen, davon 62,9% weiblich (n=1.195) und 37,1% männlich (n=705). Das mittlere Alter bei Befragung lag bei 25,1 ± 0,1 Jahren, wobei sich zwischen den Gruppen (Prä-Pandemie/Post-Pandemie) kein signifikanter Unterschied zeigte (25,0 ± 2,9 / 25,2 ± 3,2; p=0,761). Im Vergleich zur Prä-Pandemie-Gruppe wies die Post-Pandemie-Gruppe einen höheren Anteil an Medizinstudierenden ohne Sexualpartner bis zum Befragungszeitpunkt (4,3% / 8,6%; p=0,002), eine höhere Nutzung von Sextoys (52,2% / 63,9%; p<0,001), eine gesteigerte Nutzung sozialer Medien für Dating (28,4 / 36,9%; p=0,001) sowie häufigeres Fremdgehen (8,2% / 13,6%; p=0,007) auf. Zudem berichteten Frauen in der Post-Pandemie-Gruppe signifikant häufiger eine homo- bzw. bisexuelle Orientierung (5,7% / 9,2%; p=0.045), während sich bei Männern kein signifikanter Unterschied zeigte (7,2% / 8,9%; p=0,550). Keine signifikanten Unterschiede im Gruppenvergleich ergaben sich bei den Themen Kommunikation über Sexualität mit dem Partner (94,9% / 95,4%; p=0,216), bzw. mit Freunden (83,9% / 83,6%; p=0,901), Pornografiekonsum (86,2% / 86,9%; p=0,684), sowie die Nutzung sozialer Medien zur Initiierung von Sexualkontakten (21,2% / 24,8%; p=0,062).
Schlussfolgerung: Das Sexualleben von Medizinstudierenden zeigte nach der COVID-19-Pandemie signifikante Veränderungen, welche sich aufgrund pandemiebedingter Kontaktbeschränkungen sowie einer verstärkten Digitalisierung sozialer Interaktionen interpretieren lassen.



