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52. Tagung der Bayerischen Urologenvereinigung und der Österreichischen Gesellschaft für Urologie und Andrologie


06.-08.05.2026
Würzburg

Meeting Abstract

Akute Harnretention bei Patient:innen in der 10. Lebensdekade – eine retrospektive, deskriptive Analyse

Magdalena Schneider - Klinik Favoriten, Urologie, Wien, Österreich
Andreas Banner - Klinik Favoriten, Urologie, Wien, Österreich
Stephan Madersbacher - Klinik Favoriten, Urologie, Wien, Österreich

Text

Einleitung: Die steigende Zahl hochbetagter Patient:innen stellt die urologische Versorgung vor neue Herausforderungen. Ziel dieser Studie ist es, die Rate an dauerhafter Versorgung durch einen Katheter bei Patient:innen ≥90 Jahren nach einer akuten Harnretention zu identifizieren und Veränderungen in Entlassungssituation bzw. Pflegebedarf sowie Mortalität zu untersuchen. Es gibt unseres Wissens keine Literatur, die diese Fragestellung behandelt.

Methodik: Es wurde eine retrospektive, monozentrische Analyse aller Patient:innen ≥90 Jahren, die zwischen 2014–2022 stationär aufgenommen wurden, durchgeführt. Erfasst wurden demographische Daten, Komorbiditäten, Medikamente und klinische Parameter. Primärer Endpunkt war die Rate an Patient:innen mit Dauerkatheter nach einer Harnretention im Rahmen des Follow-Ups; sekundärer Endpunkt waren Veränderungen im sozialen Betreuungsbedarf und Entlassungsstatus sowie die Mortalität.

Ergebnisse: Die Gesamtkohorte umfasste 317 Patient:innen ≥90 Jahren von denen 38 (12%) aufgrund einer akuten Harnretention stationär aufgenommen und in diese Analyse eingeschlossen wurden. 73.6% (n=29) dieser Kohorte waren männlich, das Durchschnittsalter betrug 92.1 Jahre (SD=1.9). Die Anzahl der Dauermedikation belief sich auf 6.9 (SD=3.4). Vor dem Aufnahmezeitpunkt hatte kein Patient einen Dauerkatheter und 23% eine Makrohämaturie. Der Großteil der Patient:innen wurde konservativ versorgt: keiner der männlichen Patienten erhielt im Aufenthalt eine Desobstruktion und nur ein Patient:in wurde mit einem suprapubischen Katheter versorgt (2.5%). 50% der Patient:innen konnten ohne Dauerkatheter mit RH-armer Miktion <200ml wieder entlassen werden. Die Nachbeobachtungszeit betrug 312 Tage, nach 12 Monaten waren 76.3% der Patient:innen verstorben. Zum Zeitpunkt des letzten Follow-Ups hatten 29 (76.3%) Patient:innen wieder einen Dauerkatheter. Der soziale Betreuungsbedarf wurde bei lediglich 7.9% bei Entlassung (n=3) erhöht. Die mediane stationäre Aufenthaltsdauer betrug 5.1 Tage (SD=3.1).

Schlussfolgerung: Patient:innen ≥90 Jahren mit einer akuten Harnretention haben eine hohe 12-Monats-Mortalitätsrate im Bereich von 75%. Etwa die Hälfte der Patient:innen können ohne Dauerkatheter entlassen werden, langfristig benötigen jedoch 75% wieder einen Dauerkatheter. Weitere Studien sind erforderlich, um diese fragile, aber größer werdende Patientenkohorte besser Daten-basiert behandeln zu können.