52. Tagung der Bayerischen Urologenvereinigung und der Österreichischen Gesellschaft für Urologie und Andrologie
52. Tagung der Bayerischen Urologenvereinigung und der Österreichischen Gesellschaft für Urologie und Andrologie
Ist eine antibiotische Prophylaxe bei der transperinealen Prostatbiopsie erforderlich?
Text
Einleitung: Trotz erheblicher Fortschritte durch Risikokalkulatoren, multiparametrische MRT (mpMRT), Ultraschall und PSMA-PET werden in der Europäischen Union weiterhin jährlich etwa eine Million Prostatabiopsien durchgeführt. Aufgrund des geringeren Sepsisrisikos empfehlen die aktuellen Leitlinien der European Association of Urology (EAU) den transperinealen gegenüber dem transrektalen Zugangsweg. Während eine antibiotische Prophylaxe bei transrektalen Biopsien als obligat gilt, ist ihre Notwendigkeit bei der transperinealen Prostatbiopsie weiterhin umstritten. Vor dem Hintergrund zunehmender antimikrobieller Resistenzen ist eine rationale Antibiotikaanwendung von besonderer Bedeutung. Ziel dieser Studie war es, die Sicherheit des Verzichts auf eine antibiotische Prophylaxe bei der transperinealen Prostatbiopsie zu evaluieren.
Methodik: In diese retrospektive Studie wurden 406 Patienten eingeschlossen, bei denen zwischen Juni 2024 und August 2025 eine transperineale Prostatbiopsie ohne antibiotische Prophylaxe durchgeführt wurde. Primärer Endpunkt war die Inzidenz postinterventioneller infektiöser Komplikationen. Sekundäre Endpunkte umfassten die Gesamtkomplikationsrate.
Ergebnisse: Das mittlere Alter der Patienten betrug 65 ± 7,2 Jahre, der mittlere PSA-Wert 12,96 ± 18,43 ng/ml und das mittlere Prostatavolumen 60 ± 33 ml. Histopathologisch wurde bei 195 Patienten (48%) ein Prostatakarzinom nachgewiesen. Klinisch signifikantes Prostatakarzinom lag bei 139 Patienten (71% der malignen Fälle) vor. Die Gesamtkomplikationsrate betrug 6% (25/406). Urethrorrhagien traten bei 5% der Patienten auf, makroskopische Hämaturie und akuter Harnverhalt jeweils bei 0,5%. Lediglich ein Patient (0,2%) entwickelte postinterventionell Fieber, welches selbstlimitierend war. Es traten keine antibiotikapflichtigen Infektionen, positiven Urinkulturen oder Sepsisfälle auf.
Schlussfolgerung: Die transperineale Prostatbiopsie weist auch ohne antibiotische Prophylaxe ein sehr niedriges Infektionsrisiko auf. Unsere Ergebnisse sprechen gegen die routinemäßige Anwendung einer antibiotischen Prophylaxe in diesem Setting.



