52. Tagung der Bayerischen Urologenvereinigung und der Österreichischen Gesellschaft für Urologie und Andrologie
52. Tagung der Bayerischen Urologenvereinigung und der Österreichischen Gesellschaft für Urologie und Andrologie
Diagnostischer Stellenwert der Samenblasenbiopsie bei transperinealer Prostatbiopsie
Text
Einleitung: Die Invasion der Samenblasen (SV) stellt einen etablierten prognostischen Faktor beim Prostatakarzinom dar und ist mit fortgeschrittenem Tumorstadium sowie ungünstigen onkologischen Ergebnissen assoziiert. Eine zuverlässige präoperative Beurteilung der SV-Beteiligung könnte die Risikostratifizierung und Therapieplanung verbessern. Die transperineale Prostatabiopsie (TP-Bx) bietet im Vergleich zum transrektalen Zugang einen anatomisch direkteren Zugang zu den Samenblasen. Ziel dieser Studie war es, die Durchführbarkeit und den diagnostischen Nutzen eines gezielten SV-Samplings im Rahmen der TP-Bx zu evaluieren.
Methodik: In diese retrospektive Beobachtungsstudie wurden 42 Patienten eingeschlossen, bei denen zwischen Oktober 2023 und Februar 2025 eine TP-Bx durchgeführt wurde. Alle Patienten zeigten in der multiparametrischen Magnetresonanztomographie (mpMRT) einen Verdacht auf eine Samenblaseninvasion. Zusätzlich zur systematischen Prostatabiopsie wurde aus jeder Samenblase ein gezielter transperinealer Biopsiezylinder entnommen. Alle Eingriffe erfolgten in Lokalanästhesie. Die histopathologische Auswertung wurde einheitlich durch dieselbe pathologische Abteilung vorgenommen.
Ergebnisse: Von 42 Patienten waren 19 (45,2%) Samenblasenbiopsien histopathologisch auswertbar, während 23 Proben (54,8%) aufgrund zystischer Degeneration oder nicht-diagnostischen Gewebes nicht beurteilbar waren. Unter den auswertbaren Proben waren 9 (47,4%) malign und 10 (52,6%) benign. Klinisch signifikantes Prostatakarzinom wurde bei 6 Patienten nachgewiesen. Die systematische Prostatabiopsie identifizierte vier zusätzliche Karzinome, die durch das SV-Sampling nicht erfasst wurden. Kein Patient zeigte einen isolierten malignen SV-Befund bei negativer systematischer Biopsie.
Schlussfolgerung: Aufgrund der hohen Rate nicht-diagnostischer Proben bietet das routinemäßige Samenblasensampling während der TP-Bx einen begrenzten klinischen Mehrwert und sollte auf selektierte Fälle mit starkem mpMRT-Verdacht beschränkt bleiben.



