52. Tagung der Bayerischen Urologenvereinigung und der Österreichischen Gesellschaft für Urologie und Andrologie
52. Tagung der Bayerischen Urologenvereinigung und der Österreichischen Gesellschaft für Urologie und Andrologie
Präzisere Erhebung der erektilen Funktion bei Patienten ohne Geschlechtsverkehr nach radikaler Prostatektomie durch Modifikation des IIEF-6
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Einleitung: Die Erectile Function Domain des International Index of Erectile Function (IIEF-6) ist ein Standardinstrument zur Erhebung der erektilen Funktion (EF) nach radikaler Prostatektomie (RP). Da sich die Hälfte der Items auf stattgehabten penetrativen Geschlechtsverkehr (GV) beziehen, ist eine adäquate Bewertung von Patienten ohne GV nur eingeschränkt möglich. Frühere Arbeiten zeigten, dass eine Modifikation des IIEF-6 mit doppelter Gewichtung der nicht GV-basierten Items zu einer präziseren Erhebung der EF führt. Ziel dieser Analyse war es, den Nutzen dieser Modifikation bei Patienten ohne GV nach RP mit präoperativ guter EF im Längsschnitt über 60 Monate zu untersuchen.
Methodik: Aus dem prospektiven Prostatektomieregister einer deutschen Universitätsklinik wurden der IIEF-6, der Erection Hardness Score (EHS) sowie Gründe für fehlenden GV in den vorangegangen vier Wochen bei Patienten postoperativ nach 12, 36 und 60 Monaten ausgewertet (RP 2015–2020). Eingeschlossen wurden ausschließlich Patienten mit präoperativ guter EF (IIEF-6≥26 und/oder EHS=4). Die Modifikation des IIEF-6 (Verdopplung der drei nicht GV-basierten Items) wurde angewendet, wenn ausschließlich externe Gründe (z.B. fehlender Partner) für fehlenden GV vorlagen. Die Übereinstimmung zwischen IIEF-6 und EHS wurde anhand der Korrelation entlang der Hauptdiagonale (±1Kategorie) bewertet.
Ergebnisse: Die Analyse umfasste 1.469 Befragungen nach RP (n=847 Patienten, Durchschnittsalter 62,7±7,7Jahre). Bei allen Patienten, die externe Gründe für fehlenden GV nannten (n=122 Befragungen), lagen die IIEF-6-Werte vor der Modifikation bei ≤16, entsprechend einer moderaten bis schweren ED. Nach Modifikation betrug bei diesen Patienten die Prävalenz einer adäquaten postoperativen EF (IIEF-6≥22) 27,1% (12 Monate), 35,7% (36 Monate) und 53,1% (60 Monate). Zudem verbesserte sich die Übereinstimmung nach Modifikation zwischen IIEF-6 und EHS von 35,4% auf 89,6% (12 Monate), von 26,2% auf 83,3% (36 Monate), sowie von 31,3% auf 96,9% (60 Monate).
Schlussfolgerung: Durch eine patientenindividuelle Betrachtung und die entsprechende Modifikation des IIEF-6 lässt sich die EF bei Patienten ohne GV aufgrund externer Gründe nach RP präziser beurteilen.



