52. Tagung der Bayerischen Urologenvereinigung und der Österreichischen Gesellschaft für Urologie und Andrologie
52. Tagung der Bayerischen Urologenvereinigung und der Österreichischen Gesellschaft für Urologie und Andrologie
Kontemporäre Anwendung, Detektionsraten und onkologische Ergebnisse von verschiedenen Staging-Verfahren beim Prostatakarzinom im mittleren Risikoprofil – eine Real World Analyse
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Einleitung: Gerade im mittleren Risikobereich eines Prostatakarzinoms ist der Nutzen von Staging-Untersuchungen bisher nur unzureichend definiert, so dass sich hier uneinheitliche Leitlinien-Empfehlungen finden. Ziel der Arbeit war daher, in einem kontemporären Patientenkollektiv die Anwendung, Detektionsraten und die onkologischen Ergebnisse zu evaluieren.
Methodik: Wir identifizierten Prostatakarzinompatienten mit günstigem bzw. ungünstigem mittlerem Risikoprofil (nach NCCN) in unserer institutionellen Datenbank, die sich zwischen 2015 und 2021 einer radikalen Prostatektomie unterzogen. Einsatz verschiedener Staging-Verfahren über die Jahre, Detektionsraten im Vergleich zur postoperativen Histologie als auch das biochemisch- bzw. metastasen-freie Überleben wurden analysiert.
Ergebnisse: Insgesamt konnten 9.512 Patienten (37,4% günstiges, 62,6% ungünstiges mittleres Risikoprofil) analysiert werden, wovon 42,0% mindestens eine Staging-Untersuchung erhalten hatten mit einem höheren Anteil bei ungünstigem mittlerem Risikoprofil (48,5% vs. 31,0%, p<0,001). Die Detektionsraten für lokoregionäre oder metastatische Streuung in konventioneller Bildgebung waren insgesamt sehr niedrig (0–2,0%) und erreichten selbst für die PSMA-PET nur maximal 5,0%. Die Prävalenz von Knochenmetastasen im Patientenkollektiv war äußerst niedrig (<1%), unabhängig vom eingesetzten Verfahren. Histologisch zeigten sich bei 7,8% (624 von 8.043 Patienten) Lymphknotenmetastasen bei pelviner Lymphadenektomie. Es zeigte sich eine niedrige Sensitivität für das Vorhandensein einer pelvinen Lymphknotenmetastasierung (PSMA-PET 13%, MRT 8,3% und CT 0,9%). Einzig für PSMA-PET zeigte sich ein prognostischer Zusammenhang zwischen Untersuchungsergebnis und biochemisch- bzw. metastasen-freiem Überleben.
Schlussfolgerung: Die geringe Sensitivität aller Bildgebungsverfahren zur Detektion von Lymphknotenmetastasen sowie die sehr niedrige Inzidenz von Knochenmetastasen sprechen gegen ein routinemäßiges konventionelles Staging in dieser Patientengruppe. Eine kritischere Nutzung bildgebender Verfahren wäre daher aus gesundheitsökonomischen Gründen zu begrüßen. Einzig die PSMA-PET könnte in ausgewählten Fällen in Erwägung gezogen werden, obwohl auch ihre Rolle bei Prostatakarzinompatienten im mittleren Risikoprofil eingeschränkt ist.



