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66. Jahrestagung der Südwestdeutschen Gesellschaft für Urologie e. V.

Südwestdeutsche Gesellschaft für Urologie e. V.
10.-13.06.2026
Koblenz

Meeting Abstract

Add-on β3-Agonist bei therapierefrektärer überaktiver Blase: überlegene Wirksamkeit gegenüber Anticholinergika Monotherapie

Anas Alomar - Gemeinschaftsklinikum Mittelrhein, Urologie und Kinderurologie, Koblenz, Deutschland
F.L. Zeller - Gemeinschaftsklinikum Mittelrhein, Neurourologie, Koblenz, Deutschland
S. Kraus - Gemeinschaftsklinikum Mittelrhein, Neurourologie, Koblenz, Deutschland
A. Hildesheim - Gemeinschaftsklinikum Mittelrhein, Querschnittzentrum, Koblenz, Deutschland
L. Franzaring - Gemeinschaftsklinikum Mittelrhein, Urologie und Kinderurologie, Koblenz, Deutschland

Text

Einleitung: Bei persistierender Detrusorüberaktivität (DÜ) unter Anticholinergika wird häufig ein β3-Agonist additiv eingesetzt. Daten zur Wirksamkeit dieser sequenziellen Eskalationsstrategie im klinischen Alltag sind jedoch begrenzt. Ziel dieser Analyse war die Untersuchung funktioneller Parameter unter einer standardisierten Stufentherapie.

Methode: In diese einarmige Kohortenstudie wurden 26 konsekutive Patienten mit urodynamisch gesicherter DÜ eingeschlossen. Die Kohorte umfasste überwiegend neurogene Ursachen: Querschnittlähmung (73%), Multiple Sklerose (12%), Schlaganfall (4%) und andere Neuropathien (4%); zusätzlich lagen idiopathische Verläufe bei 8% vor.

Alle Patienten erhielten zunächst über 6 Monate eine Therapie mit einem Anticholinergikum (ACH). Bei Persistenz der DÜ wurde ein β3-Agonist additiv verordnet (weitere 6 Monate Dualtherapie). Primäre Endpunkte waren Blasenkapazität, Miktionsfrequenz und Inkontinenzstatus zu drei Zeitpunkten (Baseline, nach ACH, nach Dualtherapie). Repeated-measures-Analysen erfolgten mittels Friedman- bzw. Cochran-Q-Test mit Holm-Korrektur.

Ergebnisse: Das mittlere Alter betrug 56±17 Jahre, 58% der Patienten waren weiblich.

Die mediane Blasenkapazität stieg von 300 ml (Baseline) auf 450 ml nach ACH und 500 ml unter Dualtherapie (global p<0,001). Auch die Miktionsfrequenz reduzierte sich signifikant von 10 auf 7 bzw. 6 Episoden/24 h (p<0,001).

Die Inkontinenzrate sank von 58% zu Studienbeginn auf 42% unter ACH und 4% unter Dualtherapie (p<0,001). Die stärkste zusätzliche Verbesserung zeigte sich nach Hinzunahme des β3-Agonisten.

Ein Rezidiv der DÜ während der ACH-Phase trat bei 58% der Patienten nach median 6 Monaten auf. Unter Dualtherapie erfüllten 23% die Kriterien eines Therapieversagens (DÜ-Volumen <300 ml).

Schlussfolgerung: In dieser überwiegend neurogenen Kohorte führte die stufenweise Eskalation von einer Anticholinergika-Monotherapie zur additiven β3-Therapie zu einer signifikanten und klinisch relevanten Verbesserung urodynamischer und funktioneller Parameter.

Die Ergebnisse unterstützen das Add-on-Konzept bei persistierender DÜ unter ACH. Aufgrund des einarmigen Designs, der begrenzten Fallzahl und multipler Testungen sind die Daten jedoch als explorativ zu interpretieren.