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66. Jahrestagung der Südwestdeutschen Gesellschaft für Urologie e. V.

Südwestdeutsche Gesellschaft für Urologie e. V.
10.-13.06.2026
Koblenz

Meeting Abstract

Lebensqualität bei Langzeitüberlebenden mit Seminom im UICC-Stadium I nach adjuvanter Carboplatin-Therapie (AUC-7) oder active surveillance

Constantin Steimers - Krankenhaus der Barmherzigen Brüder Trier, Klinik für Urologie, Trier, Deutschland
V. Menzel - Universitätsklinik Carl Gustav Carus, Klinik und Poliklinik für Urologie, Dresden, Deutschland
M. Baunacke - Universitätsklinik Carl Gustav Carus, Klinik und Poliklinik für Urologie, Dresden, Deutschland
C. Thomas - Universitätsklinik Carl Gustav Carus, Klinik und Poliklinik für Urologie, Dresden, Deutschland
A. Neisius - Krankenhaus der Barmherzigen Brüder Trier, Klinik für Urologie, Trier, Deutschland
F. Leboutte - Krankenhaus der Barmherzigen Brüder Trier, Klinik für Urologie, Trier, Deutschland

Text

Einleitung: Das klinische Stadium-I-Seminom der Hodentumore weist exzellente Heilungsraten auf. Daher rücken Langzeitfolgen, gesundheitsbezogene Lebensqualität (HRQoL) und psychische Belastung in den Fokus. Diese Studie untersuchte, ob sich die Lebensqualität und psychische Belastung bei Langzeitüberlebenden unterscheiden – je nachdem, ob sie aktiv überwacht wurden (active surveillance) oder adjuvant Carboplatin (AUC-7) erhielten.

Methode: Im Rahmen des prospektiven Nachsorgeprogramms untersuchten wir retrospektiv 343 Patienten mit TGCT aus den Jahren 2013 bis 2021 mit Fragebögen zur Lebensqualität und Belastung (EORTC-TC26, PHQ-4). Gruppenunterschiede wurden nichtparametrisch getestet, Zusammenhänge mittels Spearman-Korrelationen und (multi-)variablen Regressionsmodellen analysiert (p<0,05). Der PHQ-4 wurde zur standardisierten Erfassung von Symptomen der Angst und Depression verwendet. Die tumorspezifische Lebensqualität wurde mithilfe des EORTC QLQ-TC26 erhoben. Der TestiCare, ein eigens entwickeltes strukturiertes Instrument zur Bewertung patientenberichteter und nachsorgebezogener Versorgungsaspekte, setzt sich aus einem Punktesystem zusammen, das mehrere Aspekte der medizinischen Untersuchungen berücksichtigt und patientenbezogene Faktoren integriert.

Ergebnisse: 343 von 476 Patienten nahmen teil (Antwortquote 72%). Das mediane Alter lag bei 37 Jahren bei Diagnose und 44 Jahren bei Befragung. Die mediane Zeitspanne zwischen Diagnose und Umfragteilnahme betrug 6 Jahre. In der Seminom-Gruppe zeigte sich eine unterschiedliche Therapieverteilung: Stadium IA wurde häufiger überwacht (72/117; 61,5%), Stadium IB häufiger mit Carboplatin behandelt (29/43; 67,4%). Insgesamt waren die PHQ-4-Werte niedrig, nur eine kleinere Gruppe berichtete höhere Belastung. Zwischen Surveillance und Carboplatin fanden sich keine signifikanten Unterschiede im PHQ-4 (p=0,61) und kein klarer Unterschied in der globalen Lebensqualität (p=0,076). Carboplatin war jedoch mit einer höheren wahrgenommenen Nachsorgequalität verbunden (p=0,015). Höhere PHQ-4-Werte waren vor allem mit mehr Nebenwirkungen, familiären Problemen, schlechterer Kommunikation und geringerer globaler Lebensqualität verbunden.

Schlussfolgerung: Patienten im klinischen Stadium I A/B mit einer adjuvanten Therapie weisen eine signifikant höhere Nachsorgequalität auf als Patienten in diesem Stadium ohne adjuvante Therapie unter aktiver Überwachung. Bei Langzeitüberlebenden mit UICC-Stadium-I-Seminom sind active Surveillance und adjuvantes Carboplatin (AUC-7) langfristig mit vergleichbarer psychischer Belastung und globaler HRQoL assoziiert. Distress betrifft vor allem eine vulnerable Subgruppe und hängt stärker mit Nebenwirkungen und psychosozialen Faktoren als mit der Therapiewahl zusammen. Dies unterstützt Shared-Decision-Making und spricht für eine strukturierte Nachsorge mit routinemäßiger PROM-Erfassung (PHQ-4, EORTC-26), um belastete Patienten früh zu identifizieren und gezielt zu unterstützen.