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66. Jahrestagung der Südwestdeutschen Gesellschaft für Urologie e. V.

Südwestdeutsche Gesellschaft für Urologie e. V.
10.-13.06.2026
Koblenz

Meeting Abstract

Nichtinvasive Prädiktion des PTEN-Status und der PSMA-Expression mittels mpMRT und ⁶⁸Ga-PSMA-PET/CT beim primären Prostatakarzinom

Clarissa Julia Schmidt - Klinik und Poliklinik für Urologie und Kinderurologie, Universitätsklinikum Bonn, Bonn, Deutschland
M. Bernhardt - Institut für Pathologie, Universitätsklinikum Bonn, Bonn, Deutschland
G. Kristiansen - Institut für Pathologie, Universitätsklinikum Bonn, Bonn, Deutschland
F.C Gärtner - Klinik und Poliklinik für Nuklearmedizin, Universitätsklinikum Bonn, Bonn, Deutschland
B. Kreppel - Klinik und Poliklinik für Nuklearmedizin, Universitätsklinikum Bonn, Bonn, Deutschland
M. Essler - Klinik und Poliklinik für Nuklearmedizin, Universitätsklinikum Bonn, Bonn, Deutschland
J.A Luetkens - Klinik für Diagnostische und Interventionelle Radiologie, Universitätsklinikum Bonn, Bonn, Deutschland
U. Attenberger - Universitätsklinik für Radiologie und Nuklearmedizin, Universitätskliniken der MedUni Wien/AKH Wien, Wien, Deutschland
M. Anspach - Klinik für Urologie, Johanniter-Krankenhaus Bonn-Gronau, Bonn, Deutschland
C.-H. Ohlmann - Klinik für Urologie, Johanniter-Krankenhaus Bonn-Gronau, Bonn, Deutschland
S. Hauser - Klinik und Poliklinik für Urologie und Kinderurologie, Universitätsklinikum Bonn, Bonn, Deutschland
J. Ellinger - Klinik für Urologie, Troisdorf, Deutschland
M. Ritter - Klinik und Poliklinik für Urologie und Kinderurologie, Universitätsklinikum Bonn, Bonn, Deutschland
P. Krausewitz - Klinik und Poliklinik für Urologie und Kinderurologie, Universitätsklinikum Bonn, Bonn, Deutschland

Text

Einleitung: Der Verlust des Tumorsuppressorgens PTEN zählt zu den häufigsten molekularen Alterationen beim Prostatakarzinom (PCa) und ist mit erhöhter Tumoraggressivität sowie einer ungünstigen Prognose assoziiert. Ebenso gilt eine gesteigerte Expression des prostataspezifischen Membranantigens (PSMA) als Marker aggressiver Tumorbiologie. Eine nichtinvasive Erfassung dieser biologischen Eigenschaften könnte die prätherapeutische Risikostratifizierung und die individuelle Therapieplanung verbessern. Die multiparametrische MRT (mpMRT) sowie die 68Ga-PSMA-PET/CT liefern komplementäre morphologische und funktionelle Informationen. Ihr Stellenwert als bildgebende Surrogatmarker für den PTEN-Status und die PSMA-Expression ist jedoch bislang nicht eindeutig geklärt. Ziel dieser Studie war es daher, Zusammenhänge zwischen etablierten bildgebungsbasierten Parametern (PI-RADS, PRIMARY, miPSMA, SUVmax, ADC) und immunhistochemisch bestimmten Merkmalen, insbesondere PTEN-Verlust und PSMA-Expression, bei primärem PCa systematisch zu untersuchen.

Methode: Analysiert wurden 170 Tumorherde aus Prostatektomiepräparaten von 97 Patienten der prospektiven DEPROMP-Studie, die präoperativ sowohl eine mpMRT als auch eine PSMA-PET/CT erhalten hatten. Für alle Läsionen wurden immunhistochemische Färbungen für PTEN und PSMA durchgeführt. Ein PTEN-Verlust wurde als vollständiges Fehlen der zytoplasmatischen Färbung definiert, während heterogene Befunde als partieller Verlust gewertet wurden. Für die statistische Analyse wurde der PTEN-Status dichotomisiert (erhalten = 0; Verlust/partieller Verlust = 1). Die PSMA-Expression wurde semiquantitativ anhand des Immunreaktivitätsscores (IRS) bestimmt. Die Korrelation zwischen bildgebungsbasierten Parametern und dem PTEN-Status bzw. dem PSMA-IRS erfolgte mittels nichtparametrischer Tests und Receiver-Operating-Characteristic-Analysen; ein p-Wert < 0,05 galt als statistisch signifikant.

Ergebnisse: Ein PTEN-Verlust wurde in 18% der Läsionen nachgewiesen. Tumorherde mit PTEN-Verlust zeigten signifikant höhere PI-RADS-Scores als Läsionen mit erhaltenem PTEN, während für den PRIMARY-Score lediglich ein grenzwertiger Zusammenhang bestand. Zwischen dem PTEN-Status und SUVmax, miPSMA, ADCmean oder dem PSMA-IRS zeigten sich keine signifikanten Unterschiede. PI-RADS wies die höchste Diskriminationsfähigkeit für den Nachweis eines PTEN-Verlustes auf (AUC 0,66), gefolgt vom PRIMARY-Score. Es bestanden starke Korrelationen zwischen SUVmax und miPSMA (r = 0,63) sowie zwischen PI-RADS und PRIMARY (r = 0,58). Die Korrelationen bildgebungsbasierter Parameter mit dem PSMA-IRS waren hingegen nur schwach (r = 0,21–0,24).

Schlussfolgerung: Morphologische Parameter der mpMRT reflektierten den PTEN-Status zuverlässiger als PSMA-PET/CT-basierte oder diffusionsgewichtete Messgrößen, wenngleich der diagnostische Gesamtnutzen begrenzt blieb. Die geringe Übereinstimmung zwischen SUVmax und immunhistochemischer PSMA-Expression deutet darauf hin, dass die Traceraufnahme komplexe tumorbiologische Prozesse jenseits der reinen PSMA-Expression abbildet. Insgesamt sind bildgebungsbasierte Parameter allein nicht ausreichend, um den PTEN- oder PSMA-Status verlässlich zu bestimmen, sodass die histopathologische Analyse weiterhin maßgeblich bleibt.