188. Versammlung des Vereins Rheinisch-Westfälischer Augenärzte
188. Versammlung des Vereins Rheinisch-Westfälischer Augenärzte
Chronische Blepharokonjunktivitis
Text
Hintergrund: Darstellung des Falls eines 80-jährigen Patienten mit seit mehreren Jahren linksseitiger, rezidivierender Konjunktivitis, bei dem letztlich ein infiltrativ wachsendes Basalzellkarzinom mit orbitaler Beteiligung diagnostiziert wurde.
Methoden: Ein 80-jähriger Patient stellte sich mit einer seit etwa vier Jahren bestehenden, rezidivierenden Konjunktivitis des linken Auges vor. Im Januar sei auf diesem Auge eine Kataraktoperation durchgeführt worden. In der klinischen Untersuchung zeigten sich eine Madarosis, eine Fornixverkürzung, ein inkompletter Lidschluss sowie ein derb tastbarer Befund im lateralen Lidbereich. Die Motilität war bei eingeschränkter Kooperation frei. In der Computertomographie ergab sich der Verdacht auf eine Infiltration des Musculus rectus lateralis sowie eine Beteiligung des Bulbus oculi. Zur weiteren Abklärung wurde eine Probebiopsie durchgeführt und histopathologisch untersucht.
Ergebnisse: Die histopathologische Untersuchung ergab ein Basalzellkarzinom mit fibrosierendem Wachstumsmuster. Der Befund wurde ausführlich mit dem Patienten besprochen. Im Vordergrund stand die Frage, ob aufgrund des noch guten Visus eine primär medikamentöse Behandlung, der Versuch einer lokalen chirurgischen Exzision oder eine Exenteratio orbitae (wie vom Tumorboard vorgeschlagen) vorgenommen werden sollte. Die Entscheidungsfindung gestaltete sich schwierig, da einerseits eine fortgeschrittene lokale Tumorausdehnung, andererseits jedoch ein guter Visus und geringe subjektive Einschränkung vorlag.
Schlussfolgerung: Dieser Fall verdeutlicht die diagnostischen und therapeutischen Herausforderungen bei fortgeschrittenen periokulären Basalzellkarzinomen mit orbitaler Infiltration. Die Betreuung dieses Patienten ist besonders komplex, zum einen aufgrund der ethisch-emotionalen Schwierigkeit, die Indikation zu einer potenziell entstellenden Operation bei erhaltener Sehfähigkeit zu diskutieren, und zum anderen wegen der Notwendigkeit, eine enge interdisziplinäre Abstimmung zwischen Augenheilkunde, Radiologie und Mund-Kiefer-Gesichtschirurgie zu koordinieren.



