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188. Versammlung des Vereins Rheinisch-Westfälischer Augenärzte

Verein Rheinisch-Westfälischer Augenärzte
06.-07.02.2026
Bochum

Meeting Abstract

Zucker fürs Epithel? Vergleich natives Insulin vs. Insulin-Analoga im Kornea-Wundheilungsmodell

Leon-Phillip Szepanowski - Düsseldorf
N. Kula - Düsseldorf
L. Leo - Düsseldorf; Würzburg
G. Geerling - Düsseldorf
F. Groeber-Becker - Düsseldorf; Würzburg

Text

Epitheliale Defekte der Hornhaut stellen in der täglichen Praxis eine therapeutische Herausforderung dar. Adjuvante Strategien zur Förderung von Proliferation und Reepithelialisierung, darunter Insulin-Augentropfen, werden klinisch eingesetzt. Da Insulin-Augentropfen derzeit von keiner Firma als Fertigarzneimittel produziert werden, erfolgt die Herstellung üblicherweise auf Basis von Insulinpräparaten für die Injektion. Da die Hersteller die Einstellung der Produktion und den Rückzug von nativem Humaninsulin vom Markt angekündigt haben, gestaltet sich die klinikinterne Herstellung und Bereitstellung zunehmend schwierig. Ausgehend von dieser Versorgungslücke untersuchten wir in einem Zellkultur-Modell die Eignung verschiedener Insulin-Analoga (Insulin aspart/Novorapid, Insulin lispro/Humalog, Insulin glargin) im Vergleich zu nativem Insulin (Actrapid). Wir evaluierten die Proliferation bei 0,1 bis 5 I.E. und die Migration im Wundheilungs-Assay bei 0,5 bis 2 I.E. Alle getesteten Präparate zeigten eine deutlich dosisabhängige, signifikant positive Wirkung auf die Zellmigration; zudem verbesserten alle Analoga die Proliferation im Bereich 0,1–2 I.E. mindestens ebenso gut wie Actrapid. Höhere Konzentrationen führten jedoch zu adversen Effekten. Damit stützen unsere Daten die Annahme, dass geeignete Analoga das therapeutische Wirkprinzip topischer Insulin-Augentropfen bewahren können, sofern adäquate Konzentrationen verwendet werden. Die Kenntnis der pharmakologischen Spielräume und der vergleichbaren biologischen Effekte ist essenziell für die korrekte klinische Einordnung und die mögliche Substitution in der Versorgung. Wie bei allen In-vitro-Befunden bedarf die Übertragung in die klinische Praxis einer validierten galenischen Aufbereitung und prospektiver Prüfung.