188. Versammlung des Vereins Rheinisch-Westfälischer Augenärzte
188. Versammlung des Vereins Rheinisch-Westfälischer Augenärzte
Einbindung von Physician Assistants zur Bewältigung struktureller Versorgungsengpässe – Ergebnisse einer nationalen Befragung
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Hintergrund: Die demographische Entwicklung in Deutschland verdeutlicht, dass zukünftig ein höherer Personalbedarf in der Augenheilkunde entstehen könnte, als er mit den vorhandenen Ressourcen zu decken ist. Das Berufsfeld von Physician Assistants (PAs) wurde im Jahr 2005 in Deutschland eingeführt und setzt ein mindestens dreijähriges Fachhochschulstudium voraus. Bislang werden in Deutschland PAs nur selten in der Augenheilkunde beschäftigt, daher haben wir PAs und angehende PAs zu ihren Arbeitsfeldern und Berufsperspektiven mit besonderem Fokus auf der Augenheilkunde befragt.
Methoden: Befragungsteilnehmer wurden über den E-Mailverteiler der Deutschen Gesellschaft für Physician Assistants rekrutiert. Die Befragung umfasste 55 einzelne Items zu den Themen Ausbildungsstand, Verankerung ophthalmologischer Ausbildungsinhalte im Curriculum, Vorkenntnisse im Bereich der Augenheilkunde sowie Interesse am Fachgebiet. Die Teilnahme war freiwillig und anonymisiert. Der Erhebungszeitraum betrug vier Monate (Mai bis August 2024).
Ergebnisse: An der Befragung nahmen 428 Personen teil. 34,9% verfügten über einen Bachelorabschluss, 1,6% über einen Masterabschluss (kumulativ Gruppe 1), während 61,6% aktuell ein Bachelorstudium im Bereich Physician Assistance absolvierten (Gruppe 2). 38,5% der Befragten in Gruppe 1 und 15,8% in Gruppe 2 berichteten die Verankerung ophthalmologischer Inhalte im Curriculum während ihrer Ausbildung. 8,3% der Befragten in Gruppe 1 und 9,1% in Gruppe 2 gaben an, eine Visusprüfung durchzuführen zu können, während 7,7% (Gruppe 1) bzw. 9,1% (Gruppe 2) angaben, eine Spaltlampenuntersuchung durchführen zu können. Auf die Frage nach einer zukünftigen Tätigkeit in der Augenheilkunde zeigten 19,2% der Gruppe 1 und 22,5% der Gruppe 2 Interesse an einer Tätigkeit in einer Augenklinik und 18,0% bzw. 22,3% an einer Tätigkeit in einer augenärztlichen Praxis.
Schlussfolgerungen: Ophthalmologische Inhalte sind in der Ausbildung von PAs in Deutschland derzeit unterrepräsentiert. Grundsätzlich besteht bei etwa 1:5 PAs Interesse an einer Tätigkeit in der Augenheilkunde, damit wäre eine wichtige Voraussetzung für die Einbeziehung von PAs in die ophthalmologische Versorgung, insbesondere in unterversorgten Regionen, grundsätzlich gegeben. Daten zur Assoziation neuer Versorgungsmodelle mit der Versorgungsqualität fehlen derzeit noch.



