188. Versammlung des Vereins Rheinisch-Westfälischer Augenärzte
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Bildgebung bei Abduzensparese: Warum das MRT immer empfehlenswert ist
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Hintergrund: Abduzensparese ist die häufigste Augenmuskelparese. Die Ursachen können vielfältig sein. Bei älteren Patienten ist die Abduzensparese am häufigsten ischämisch bedingt (z.B. infolge von Diabetes oder arterieller Hypertonie). Weitere Ursachen umfassen eine intrakranielle Druckerhöhung (z.B. im Rahmen eines Pseudotumor cerebri), Traumata, Tumoren, multiple Sklerose oder Gefäßveränderungen (z.B. Sinus-cavernosus-Fistel).
Methoden: Wir berichten über einen 75-jährigen Patienten, der sich mit horizontal nebeneinander stehender Diplopie bei uns vorstellte. Anamnestisch war er kardiovaskulär belastet mit Z.n. Herzinfarkt und dreifacher Bypass-Operation. Nach dem Auftreten der Doppelbilder wurde zunächst ein kraniales CT durchgeführt, welches unauffällig war. Die orthoptische Untersuchung ergab am rechten Auge eine Abduzensparese mit einem Abduktionsdefizit von bis zu 25° über die Mittellinie hinaus. Es wurde eine Prismenfolie rechts verordnet. Trotz des unauffälligen CT-Befundes empfahlen wir ergänzend ein kraniales MRT nativ mit Kontrastmittel.
Ergebnisse: Im MRT-Schädel (T2-gewichtete Aufnahmesequenzen) wurde ein Keilbeinflügelmeningeom rechtsseitig mit retroclivaler Betonung nachgewiesen. Nach interdisziplinärer Vorstellung bei der Mund-Kiefer-Gesichtschirurgie wurde eine perkutane, fraktionierte, stereotaktische und kurativ intendierte Radiotherapie eingeleitet. Darunter kam es zu einer klinischen Besserung des Befundes.
Schlussfolgerung: Bei älteren Patienten ist die Abduzensparese in der Regel ischämisch bedingt. Dennoch sollte bei neu aufgetretener Symptomatik ein kraniales MRT nativ und mit Kontrastmittel durchgeführt werden, um andere Ursachen sicher auszuschließen. Ein CT allein ist in diesen Fällen nicht ausreichend.



