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188. Versammlung des Vereins Rheinisch-Westfälischer Augenärzte

Verein Rheinisch-Westfälischer Augenärzte
06.-07.02.2026
Bochum

Meeting Abstract

Diplopie nach Kataraktoperation bei vorbestehendem Strabismus

Mohannad Alwees - Dortmund
Z.E. Armeni - Dortmund
K. Habbe - Dortmund
M. Kohlhaas - Dortmund

Text

Hintergrund: Bei Patienten mit manifestem oder latentem Strabismus kann eine operative Veränderung der Sehbedingungen – insbesondere im Rahmen einer Katarakt- oder refraktiven Chirurgie – das fragile binokulare Gleichgewicht erheblich stören. Wird der Visus im bisher supprimierten oder nicht-führenden Auge postoperativ verbessert, kann es zu einer sogenannten Fixation-Switch-Diplopie kommen. Dieses seltene, jedoch klinisch relevante Phänomen kann die postoperative Zufriedenheit und visuelle Funktion deutlich beeinträchtigen.

Methoden: Wir berichten über einen hochmyopen Patienten mit Zustand nach bilateraler LASIK und anamnestischem Strabismus. Präoperativ bestand eine Führungsdominanz des linken Auges (BCVA 0,8). Nach beidseitiger Kataraktoperation zeigte sich ein besserer Visus rechts (0,8) gegenüber links (0,5–0,6). Im Rahmen der orthoptischen Untersuchung wurden ein Strabismus verticalis dexter und eine fortbestehende Linksfixation trotz besserem Visus rechts festgestellt. Die subjektiven Beschwerden umfassten Doppelbilder, gestörte Fusion und wechselnde Seheindrücke.

Ergebnisse: Die Befunde wurden als Fixation-Switch-Diplopie aufgrund eines unvollständigen Führungswechsels bei aufgehobener Suppression interpretiert. Eine prismatische Versorgung führte zu keiner nachhaltigen Besserung. Erst durch eine gezielte optische Anpassung (monokulare Nutzung) kam es zu einer subjektiven Besserung des Seheindrucks.

Schlussfolgerung: Der vorliegende Fall verdeutlicht die Notwendigkeit einer sorgfältigen präoperativen Beurteilung der Fixationsdominanz, der Suppression und des binokularen Status bei Patienten mit aktueller oder früherer Schielerkrankung. Vor refraktiven oder Kataraktoperationen sollte stets geprüft werden, 1. welches Auge führend ist, 2. ob eine Suppression besteht, und 3. wie sich eine mögliche Änderung der Sehschärfenrelation auf das binokulare Gleichgewicht auswirken könnte. Eine entsprechende präoperative Aufklärung über das Risiko einer Fixation-Switch-Diplopie ist essenziell, um postoperative Diplopie und Unzufriedenheit zu vermeiden.