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188. Versammlung des Vereins Rheinisch-Westfälischer Augenärzte

Verein Rheinisch-Westfälischer Augenärzte
06.-07.02.2026
Bochum

Meeting Abstract

Neurodegenerative und vaskuläre Veränderungen bei diabetischer Retinopathie: Rolle von hyperreflektiven Spots und Exsudaten

Katharina Wall - Bonn
A. Schumacher - Bonn
S.A. Chang - Bonn
M. Saßmannshausen - Bonn
A.S. Jauch - Bonn
L. von der Emde - Bonn
F.G. Holz - Bonn
T. Ach - Bonn

Text

Hintergrund: Hyperreflektive Spots (HRS) und harte Exsudate sind charakteristische OCT-Biomarker der diabetischen Retinopathie (DR). HRS gelten als Marker neuroinflammatorischer Veränderungen und Mikroglia-Aktivierung, während Exsudate Ausdruck erhöhter vaskulärer Permeabilität und extrazellulärer Lipidablagerungen sind. Aufgrund ihrer unterschiedlichen Größe, Reflektivität und Signalabschattung lassen sich beide Läsionstypen in der OCT gut differenzieren (PMID: 40364054). Ziel dieser Studie war es, einen möglichen Zusammenhang zwischen Nachweis von HRS und Exsudaten und Auswirkungen auf Netzhautschichtdicken und lokaler retinaler Sensitivität zu untersuchen.

Methoden: PatientInnen mit Diabetes mellitus Typ I/II (aller DR Stadien unterteilt nach klinischem DRSS (PMID: 13129861)) unterzogen sich einer hochauflösenden multimodalen Bildgebung, inkl. neuartiger OCT mit verbesserter axialer Auflösung (2,8 µm). HRS (<30 µm, Reflektivität ähnlich der RNFL) und Exsudate (>30 µm, mit Abschattung des OCT-Signals) wurden anschließend in den einzelnen retinalen Schichten (GCL-ONL) markiert und die Verteilung gemäß der ETDRS-Subfelder abgebildet (Fiji-Tool („Mark HRF OCT“)). Die retinale Sensitivität pro ETDRS-Subfeld wurde mittels Mikroperimetrie (68 Stimuli, 24° zentriert auf die Fovea) erfasst. Zusätzlich wurde das Vorliegen eines Makulaödem bewertet. PatientInnen mit Veränderungen der Ellipsoid-Zone oder dem Vorhandensein der Disorganisation der inneren Netzhautschichten wurden ausgeschlossen. Multivariable lineare Modelle prüften zudem Zusammenhänge zwischen Anzahl der HRS und Exsudate und Sensitivität (Kovariaten: DRSS, Alter, ETDRS-Subfeld).

Ergebnisse: In diese Querschnittsstudie wurden 38 Augen von 38 Patienten eingeschlossen (Alter 57,7±14,2 Jahre; 17 Frauen; 14 Typ I Diabetiker; HbA1c 7,4±2,0%; Visus 0,1±0,13 logMAR; DRSS 3±1,6; 15 PatientInnen mit diabetischem Makulaödem). Insgesamt ließen sich 1703 HRS mit folgender Verteilung nachweisen: 206 (11,0%) in GCL, 194 (10,3%) in IPL, 617 (32,7%) in INL, 215 (11,4%) in OPL, und 471 (25,0%) in ONL. Die HRS-Anzahl stieg mit zunehmendem DRSS-Stadium signifikant (p=0,003). Eine hohe HRS-Anzahl war zudem mit einer Ausdünnung der GCL (r=-0,48, p=0,006) und IPL (r=-0,43, p=0,012) verbunden. Es wurden 856 Exsudate identifiziert, mit folgender Verteilung: 6 (0,7%) in GCL, 56 (6,5%) in IPL, 172 (20,0%) in INL, 267 (31,1%) in OPL und 318 (37,1%) in ONL. Die Anzahl der Exsudate korrelierte nicht signifikant mit dem DRSS-Stadium (p=0,09). Außerdem wiesen 82% der Augen mit Exsudaten ein Makulaödem auf, was mit einer Verdickung der OPL (r=+0,39, p=0,018) und ONL (r=+0,41, p=0,015) einherging. Im multivariablen Modell zeigte sich die HRS-Anzahl unabhängig von DRSS, Alter und Verteilung im ETDRS-Muster mit einem signifikanten lokalen Sensitivitätsverlust assoziiert (β=–0,085 dB/HRS, p<0,001), während für Exsudate kein signifikanter Zusammenhang bestand (β=–0,035 dB/Exsudat; p=0,13).

Schlussfolgerung: Eine erhöhte Dichte von HRS ist mit einer Ausdünnung der GCL/IPL und einer signifikant reduzierten lokalen Sensitivität assoziiert. Exsudate korrelieren hingegen mit Makulaödem und Verdickungen der OPL/ONL, jedoch ohne signifikante funktionelle Auswirkungen. Diese Ergebnisse unterstreichen die Bedeutung einer differenzierten Bewertung von HRS und Exsudaten bei DR. Langzeituntersuchungen in unserer Kohorte sollen prüfen, ob HRS als Progressionsmarker geeignet sind; erste Hinweise deuten auf eine Reduktion der HRS-Last unter intravitrealer Therapie hin.