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99. Versammlung des Vereins Rhein-Mainischer Augenärzte


31.10.2026
Fulda

Meeting Abstract

25 Jahre negative Dysphotopsie – der dunkle Balken nach der Kataraktoperation

Martin Wenzel - Trier

Text

Seit 25 Jahren wird über Genese und Therapie der „Negativen Dysphotopsie (ND)“ gerätselt. Die „ND“ ist ein störender, schwarzer, sichelförmiger Schatten im temporalen Gesichtsfeld, der bei etwa 1% aller Patienten nach unkomplizierten Kataraktoperationen auftritt.

PubMed verzeichnet 176 Artikel zu dem Phänomen, wobei es ganz überwiegend Kasuistiken oder theoretische Überlegungen sind. Es wird nur eine Arbeit mit über 50 Patienten gelistet. In Trier verfügen wir im Verlauf der letzten 12 Jahre über Daten von 253 Patienten mit zusammen 332 betroffene Augen. Davon waren 206 (62%) linke Augen.

Es irritiert, dass die ND manchmal vorübergehend verschwindet: Ein exakter Refraktionsausgleich führt z.B. bei 94% der Patienten zumindest zu einer deutlichen Abschwächung der ND. Bei 53% der Patienten wird sie beim Blick nach temporal abgeschwächt, bei 40% beim Blick nach nasal.

Ebenso irritiert, dass fast alle Patienten angeben, der „schwarze Balken“ (Halbmond/Sichel) befinde sich ganz weit peripher, etwa bei 90°. Objektiv gemessen befindet er sich aber im Median bei etwa 18°, also im Bereich des temporalen Randes der Papille. Neben unseren Daten gibt es nur eine weitere Arbeitsgruppe, die die Lage der ND objektiv ausgemessen hat.

Nach dem bisherigen Kenntnisstand scheint die ND primär ein neuroophthalmologisches Krankheitsbild zu sein. Die Ursache der ND hängt wohl mit einer verzögerten Anpassung der kortikalen Verschaltungen an den Größenunterschied des Netzhautbildes zusammen, der sich durch die Implantation einer neuen Linse ergibt: Je nach Lage der IOL vergrößert sie die Abbildung auf der Netzhaut um etwa 2 %. Dadurch kommt es zu einer Diskrepanz zwischen der gewohnten Lage des physiologischen blinden Flecks sowie der zentralen Gefäße. Ebenso ist im peripheren Gesichtsfeld die Koordination des Bewegungssehens gestört.

Bei 40.000 Katarakt-Operationen in den letzten 12 Jahren ist bei uns keine Revisionsoperation nach einer ND nötig geworden. Als Therapie ist es wichtig, die Patienten zu beruhigen und davon zu überzeugen, dass kein optischer Fehler beim Linsenimplantat vorliegt und keine Nachoperation nötig ist. Die ND verschwindet bei 99% der Patienten spontan im Laufe der ersten Monate nach der Operation. In den 4 Fällen, in denen Aufklären, Beruhigen, Abwarten und Brillenanpassung nicht geholfen haben, konnte eine Okklusionstherapie die ND beenden.