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99. Versammlung des Vereins Rhein-Mainischer Augenärzte


31.10.2026
Fulda

Meeting Abstract

Dramatischer beidseitiger Sehverlust – ein 18-jähriger auf Abwegen

Hendrik Liberra - Koblenz
L. Oberlack - Koblenz
C. Kochs - Koblenz
F. Weinand - Koblenz

Text

Hintergrund: Die okuläre Syphilis kann in jedem Erkrankungsstadium auftreten und nahezu jede okuläre Struktur betreffen. Wegen ihrer variablen, teils unspezifischen Befunde ist sie eine wichtige Differenzialdiagnose akuter Visusminderungen.

Methoden: Kasuistische Darstellung eines 18-jährigen Patienten mit progredienter bilateraler Visusminderung, Übelkeit, Schwindel und Kopfschmerzen. Ausgewertet wurden ophthalmologischer Untersuchungsbefund, Fundusfotografie, SD-OCT, Perimetrie, Fundusautofluoreszenz, OCT-Angiografie, kraniale MRT, visuell evozierte Potenziale sowie Liquor- und Serodiagnostik.

Ergebnisse: Initial betrug die bestkorrigierte Sehschärfe rechts 0.63 und links 0.2 bei beidseits normotoner IOD-Lage. Der Organbefund zeigte beidseits vereinzelt Glaskörperzellen bei ansonsten biomikroskopisch unauffälliger Befundlage. In der OCT der Netzhautmitte zeigte sich eine deutliche Netzhautdickenzunahme an beiden Augen.

Am Folgetag fiel der Visus auf 0.25 rechts und 0.1 links ab.

Die kraniale MRT war unauffällig; die 30°-Schwellenperimetrie zeigte eine herabgesetzte Sensitivität der Netzhautmitte beidseits. Fundusautofluoreszenz und OCT-Angiografie zeigten unauffällige Befunde. Die VEP zeigten rechts eine verlängerte P100-Latenz mit reduzierter Amplitude, links keine reproduzierbare Antwort a.e. bei stark vermindertem Visus.

Im Liquor zeigte sich eine Pleozytose, erhöhtes IgM sowie erhöhte Liquor-Serum-Indizes für Borrelien und Lues. Im Rahmen der durchgeführten Uveitis-Diagnostik zeigte sich ein positiver Syphilis-Such- und Bestätigungstest.

Unter intravenöser Ceftriaxon-Gabe über 14 Tage besserten sich die Sehkraft und das Gesichtsfeld des Patienten rasch. Bei bei Entlassung betrug der Visus rechts 1.25 und links 1.0.

Schlussfolgerung: Bei akuter bilateraler Visusminderung mit diskreten intraokularen Entzündungszeichen sollte eine okuläre Syphilis auch bei unauffälliger Bildgebung des ZNS und passender Anamnese frühzeitig serologisch und gegebenenfalls liquoranalytisch abgeklärt werden. In Deutschland erreichten die Syphilismeldungen 2024 mit 9.519 Fällen einen neuen Höchststand.