99. Versammlung des Vereins Rhein-Mainischer Augenärzte
99. Versammlung des Vereins Rhein-Mainischer Augenärzte
Tinte unter der Haut – bilaterale Tattoo-assoziierte Uveitis bei einem jungen großflächig tätowierten Patienten
Text
Hintergrund: Tätowierungen stellen einen zunehmend häufigen exogenen Kontakt mit unterschiedlichen Pigmenten und Fremdstoffen dar. Neben lokalen kutanen Reaktionen sind selten auch systemische immunologische Reaktionen beschrieben. Eine besondere Manifestation stellt die Tattoo-assoziierte Uveitis dar, deren Pathogenese bislang nicht abschließend geklärt ist und die insbesondere differenzialdiagnostische Überschneidungen mit granulomatösen Erkrankungen wie der Sarkoidose aufweist. Ein junger, großflächig tätowierter Patient stellte sich bei seit etwa zwei Monaten bestehender Augenentzündung bei seinem niedergelassenen Augenarzt vor. Die Symptomatik hatte zunächst am rechten Auge begonnen und im Verlauf beide Augen betroffen. Unter lokaler Therapie mit Kortikosteroid-Augentropfen und Cycloplegikum kam es bereits zu einer deutlichen Befundbesserung. Bei Vorstellung in unserer Uveitissprechstunde zeigten sich Zeichen einer abgelaufenen bilateralen Uveitis mit hinterer Synechie am rechten Auge und vereinzelten alten Glaskörperzellen am linken Auge. Die Makula-OCT war beidseits regelrecht. Bei fraglichen peripheren Gefäßeinscheidungen zeigte die Fluoreszenzangiographie keinen Hinweis auf eine retinale Vaskulitis. Es erfolgte eine umfangreiche ätiologische Abklärung. Die rheumatologische und infektiologische Diagnostik einschließlich einer Abklärung auf Borreliose ergab keinen richtungsweisenden Befund. Ebenso zeigten die durchgeführte MRT-Diagnostik und die Thoraxbildgebung keine pathologischen Befunde. Eine HNO-ärztliche Untersuchung bei anamnestisch vorausgegangener Sinusitis ergab keinen Hinweis auf eine akute oder chronische Sinusitis. Nach Beendigung der lokalen Therapie blieb der Patient im weiteren Verlauf beschwerdefrei und ohne erneute intraokulare Entzündungsaktivität.
Diskussion/Schlussfolgerung: Bei ätiologisch ungeklärter Uveitis kann die Anamnese zu Tätowierungen einen interessanten zusätzlichen Aspekt darstellen. Tattooassoziierte Uveitiden sind selten beschrieben und treten in publizierten Fällen überwiegend bilateral auf. Diskutiert werden immunvermittelte Reaktionen auf Tätowierpigmente sowie eine Assoziation mit granulomatösen Erkrankungen, insbesondere der Sarkoidose. Der vorgestellte Fall erlaubt aufgrund fehlender kutaner Entzündungszeichen und histologischer Untersuchung keinen Nachweis eines kausalen Zusammenhangszwischen Tätowierung und Uveitis. Die auffällige Konstellation bietet jedoch Anlass, die tattooassoziierte Uveitis als seltene Differenzialdiagnose und ihre möglichen Pathomechanismen näher zu beleuchten. Eine aktuelle systematische Übersicht fand 44 publizierte Patienten ohne nachgewiesene systemische Sarkoidose; 95,5% waren bilateral, 52,3% hatten eine anteriore Uveitis, und bei 88,6% wurde eine Entzündung der tätowierten Haut beschrieben. Schwarzes Pigment war dabei häufiger als andere Farben. Das ist eine sehr gute Gelegenheit zu sagen: Unser Patient entspricht gerade nicht vollständig diesem klassischen Bild – die Tattoos waren bei ihm klinisch nicht entzündet.



