Deutscher Rheumatologiekongress 2026
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Anti-RuvBL1/2-Antikörper: Diagnostische Lücke bei Skleromyositis
Text
Einleitung: Autoantikörper definieren Subgruppen systemischer Autoimmunerkrankungen und sind mit charakteristischen klinischen Phänotypen assoziiert.
RuvBL1/2-Antikörper stellen eine seltene, eigenständige serologische Entität dar und wurden erst 2014 bei Patienten mit systemischer Sklerose (SSc) und/oder Myositis beschrieben [1].
Typischerweise induzieren sie ein fein gesprenkeltes nukleäres Immunfluoreszenzmuster (AC-4) auf HEp-2-Zellen [2].
Ziel dieser Arbeit war die Identifikation und klinische Charakterisierung von RuvBL1/2-positiven Patienten in einem universitären rheumatologischen Setting.
Methoden: Innerhalb von 10 Monaten wurden 9 Patienten identifiziert, die folgende Kriterien erfüllten:
- Systemische Sklerose und/oder Myositis,
- AC-4/5-Muster in der HEp-2-Immunfluoreszenz und
- fehlender oder unplausibler spezifischer Antikörpernachweis.
Seren wurden mittels Cell-Based Assay (CBA) und spezifischem ELISA auf RuvBL1/2-Antikörper untersucht. Erfasst wurden demographische Daten, klinischer Phänotyp, Laborparameter und Organbeteiligungen (Tabelle 1 [Tab. 1]).
Tabelle 1: Charakteristika von Anti-RuvBL1/2-positiven Patienten
Ergebnisse: 6 von 9 Patienten waren im CBA und ELISA positiv für RuvBL1/2 (5 Männer, 1 Frau; Median 61 Jahre [Spannweite 46–65]).
Alle erfüllten die SSc-Klassifikationskriterien und zeigten ein AC-4-Muster mit hohen Titern (1:1280–1:5120). Eine Myositis lag bei 5 von 6 Patienten vor (3 definitiv, 2 wahrscheinlich).
Klinisch zeigten alle Patienten ein Raynaud-Syndrom bei variabler Hautsklerose (medianer mRSS 17, Spannweite 6–30). Pulmonal fanden sich funktionelle Einschränkungen mit reduzierter DLCO (Median 34%, Spannweite 17–78%) und FVC (Median 77%, Spannweite 56–98%); eine interstitielle Lungenerkrankung bestand bei 4 von 6 Patienten, eine pulmonale Hypertonie bei 2 von 6.
Muskulär zeigten sich bei 4 von 6 erhöhte CK-Werte (Median 632 U/l, Spannweite 50–1.983 U/l) sowie MRT-Ödeme bei 3 von 5 untersuchten Patienten; histologisch wurden entzündliche bzw. nekrotisierende Myopathien (MMCP n=2, IMNM n=1) nachgewiesen.
Kardial bestanden bei allen Patienten erhöhte Troponin-T-Werte (Median 82 ng/l, Spannweite 23–312 ng/l) bei erhaltener LVEF (Median 65%, Spannweite 61–70%); im Kardio-MRT fanden sich pathologische Befunde (Myokarditis oder Fibrose) bei 4 von 6 Patienten.
Schlussfolgerung: RuvBL1/2-positive Patienten wurden in unserem Zentrum erstmals und in bemerkenswerter Häufigkeit identifiziert und kennzeichneten eine klinisch schwer betroffene Subgruppe von überwiegend männlichen SSc-Patienten mit Myositis.
Das AC-4-Muster ohne erklärenden Antikörperbefund in der Routinediagnostik erwies sich als wegweisend.
Mangels routinetauglicher Bestätigungstests ist die Erkrankung vermutlich unterdiagnostiziert, mit potenziellen Folgen für Therapie und Prognose.
Offenlegungserklärung: RB hat in der Vergangenheit Vorträge für Euroimmun gehalten, Reisekostenunterstützungen erhalten und hatte mehrere wissenschaftliche Kooperationen im Bereich der Autoantikörperdiagnostik sowie zu löslichem SIGLEC1.
Abbildung 1 [Abb. 1]
Abbildung 1: Nachweis von RuvBL1/2-Antikörpern auf HEp-2-Zellen und im Cell-Based-Assay
Literatur
[1] Kaji K, Fertig N, Medsger TA Jr, Satoh T, Hoshino K, Hamaguchi Y, Hasegawa M, Lucas M, Schnure A, Ogawa F, Sato S, Takehara K, Fujimoto M, Kuwana M. Autoantibodies to RuvBL1 and RuvBL2: a novel systemic sclerosis-related antibody associated with diffuse cutaneous and skeletal muscle involvement. Arthritis Care Res (Hoboken). 2014 Apr;66(4):575-84. DOI: 10.1002/acr.22163[2] Vulsteke JB, Piette Y, Bonroy C, Verschueren P, Blockmans D, Vanderschueren S, Claeys KG, De Haes P, Lenaerts JL, Wuyts WA, Matsushita T, Smith V, De Langhe E, Bossuyt X. Anti-RuvBL1/2 autoantibodies in patients with systemic sclerosis or idiopathic inflammatory myopathy and a nuclear speckled pattern. Ann Rheum Dis. 2022 May;81(5):742-744. DOI: 10.1136/annrheumdis-2021-220004



