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Deutscher Rheumatologiekongress 2026

54. Kongress der Deutschen Gesellschaft für Rheumatologie und Klinische Immunologie (DGRh), 36. Jahrestagung der Gesellschaft für Kinder- und Jugendrheumatologie (GKJR), 40. Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Orthopädische Rheumatologie (DGORh)
09.-12.09.2026
Leipzig

Meeting Abstract

Therapie eines kombinierten Antiphospholipid/(erworbenen) Lupusantikoagulanz-Hypothrombinämie-Syndroms mit Obinutuzumab

Christina Gebhardt - LMU Klinikum München, Medizinische Klinik und Poliklinik IV, Sektion für Rheumatologie und Klinische Immunologie, München, Deutschland
Julia Lichtnekert - LMU Klinikum, Medizinische Klinik und Poliklinik IV, Nephrologie, München, Deutschland
Alla Skapenko - LMU Klinikum München, Medizinische Klinik und Poliklinik IV, Sektion für Rheumatologie und Klinische Immunologie, München, Deutschland
Fabian T. H. Ullrich - LMU Klinikum München, Medizinische Klinik und Poliklinik IV, Sektion für Rheumatologie und Klinische Immunologie, München, Deutschland
Hendrik Schulze-Koops - LMU Klinikum München, Medizinische Klinik und Poliklinik IV, Sektion für Rheumatologie und Klinische Immunologie, München, Deutschland

Text

Einleitung: Obinutuzumab, ein Typ-II-CD20-Antikörper, ist seit Dezember 2025 für die Behandlung der aktiven Lupusnephritis zugelassen. Darüber hinaus spielt die B-Zelldepletion jedoch auch eine Rolle bei weiteren Manifestationen des systemischen Lupus erythematodes (SLE), wie dem sekundären Antiphospholipid-Syndrom (sAPS). Wir berichten über eine bislang therapierefraktäre, 35-jährige Patientin mit SLE und sekundärem APS, sowie erworbenem Lupusantikoagulanz-Hypothrombinämie-Syndrom und ihre Behandlung mit Obinutuzumab.

Methoden: 2014 wurde die Diagnose eines SLE mit Arthralgien, kutaner Beteiligung, Alopezie und serologischer Aktivität (Komplementverbrauch, dsDNA-Positivität, Coombs-positive Anämie) gestellt. Im Jahr 2016 entwickelte die Patientin eine 2-Etagen Beinvenenthrombose. Bei Z.n. vier habituellen Aborten und Dreifachpositivität für Antiphospholipidantikörper konnte ein sAPS diagnostiziert werden. Zusätzlich litt die Patientin bereits seit langem, unter Vollantikoagulation bei APS aggravierter, Hypermenorrhoe, der eine Hypothrombinämie durch Antikörper gegen Prothrombin, a.e. i.R. des SLE, zugrunde liegt. Nach multiplen frustranen Therapieversuchen (Tabelle 1 [Tab. 1]) und zuletzt Tacrolimus, stellte sich die Patientin Anfang 2025 mit nun Erstdiagnose einer Lupusnephritis vor. Angesichts der Vorgeschichte entschieden wir uns für eine off-label Therapie mit Obinutuzumab entsprechend dem Regency trial Protokoll [1].

Tabelle 1: Vortherapien vor Behandlung mit Obinutuzumab

Ergebnisse: Die Patientin wurde bislang mit vier Gaben á 1.000 mg behandelt, entsprechend der Zulassungsstudie in Kombination mit Mycophenolatmofetil. Hinsichtlich der bis dahin persistierenden Hypermenorrhoe berichtete die Patientin im Verlauf über eine Abnahme der Menstruationslänge von > 10 Tagen auf 3 bis 4 Tage, eine Intervallnormalisierung auf 4 Wochen und ein Sistieren der bis dahin mit der Menstruation auftretenden Koagel. Konkomitant zeigte sich ein Anstieg des Hämoglobins von minimal 7,9 g/dl auf 10,4 g/dl. Die im Rahmen der aktiven Lupusnephritis aufgetretene Proteinurie von maximal 3.800 mg/g Kreatinin zeigte sich auf annähernd Normwerte von zuletzt 200 mg/g Kreatinin rückläufig. Seit dem ersten Therapiezyklus besteht eine anhaltende B-Zelldepletion. Klinisch zeigten sich die i.R. der Lupusnephritis aufgetretenen Unterschenkelödeme regredient, auch die initial disseminierte kutane Manifestation des SLE verringerte sich signifikant, thrombembolische oder Blutungsereignisse traten nicht mehr auf.

Schlussfolgerung: Dieser Fall zeigt, dass eine tiefgreifende B-Zelldepletion mit Obinutuzumab neben der Lupusnephritis auch bei anderen Antikörper-vermittelten Manifestationen i.R. eines SLE eine potente Alternative zu den bisherigen Therapien darstellt. Unseres Wissens nach ist dies der 1. publizierte Fall eines mit Obinutuzumab erfolgreich behandelten sowohl zur Thrombophilie wie auch Hämophilie prädisponierenden Krankheitsbildes.


Literatur

[1] Furie RA, Rovin BH, Garg JP, Santiago MB, Aroca-Martínez G, Zuta Santillán AE, Alvarez D, Navarro Sandoval C, Lila AM, Tumlin JA, Saxena A, Irazoque Palazuelos F, Raghu H, Yoo B, Hassan I, Martins E, Sehgal H, Kirchner P, Ross Terres J, Omachi TA, Schindler T, Pendergraft WF 3rd, Malvar A; REGENCY Trial Investigators. Efficacy and Safety of Obinutuzumab in Active Lupus Nephritis. N Engl J Med. 2025 Apr 17;392(15):1471-1483. DOI: 10.1056/NEJMoa2410965