Deutscher Rheumatologiekongress 2026
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Immun-vermittelte Nebenwirkungen nach BCMA-gerichteter Therapie: Teclistamab-induzierte „IBD-like“ Kolitis und Psoriasis bei Systemischer Sklerose
Text
Einleitung: Teclistamab, ein gegen BCMA gerichteter bispezifischer T-Zell-Engager, ist für die Behandlung des multiplen Myeloms zugelassen und wird zunehmend auch bei Autoimmunerkrankungen eingesetzt (Phithak, et al. Ann Rheum Dis 2025; Siegert, et al. Ann Rheum Dis 2025; Bucci, et al. New England Journal of Medicine 2025; Düsing, et al. Nature Medicine 2026). Die bisherige Evidenz basiert jedoch auf einer begrenzten Zahl behandelter Patienten, sodass valide Aussagen zum Sicherheitsprofil und zu therapieassoziierten Nebenwirkungen bislang nicht möglich sind.
Methoden: Ein 56-jähriger Patient mit rasch progredienter, anti-Scl70-positiver diffuser kutaner systemischer Sklerose und therapierefraktärer interstitieller Lungenerkrankung wurde nach Versagen multipler immunsuppressiver Therapien im Rahmen eines individuellen Heilversuchs mit Teclistamab (Step-up-Regime, vier Zieldosen à 1,5 mg/kg) behandelt. Der Patient wurde engmaschig klinisch nachverfolgt, um Wirksamkeit und Sicherheit der Therapie zu evaluieren.
Ergebnisse: Teclistamab führte zu einer ausgeprägten Depletion von B- und Plasmazellen, begleitet von einem ausgeprägtem klinischen Ansprechen (Major ACR-rCRISS response) sowie einer deutlichen Verbesserung der Haut (mRSS 25→2) und der Lungenfunktion (FVC +8%, DLCO +16%). Initial traten milde bis moderate Zytokinfreisetzungssyndrome auf, ohne Neurotoxizität. Eine Hypogammaglobulinämie erforderte wiederholte Immunglobulinsubstitutionen (Woche 7, 10, 12, 16). In Woche 6 entwickelte der Patient eine neu aufgetretene, schmerzlose, nicht blutige Diarrhö mit 20–30 Stühlen täglich. Infektiöse Ursachen wurden ausgeschlossen; das fäkale Calprotectin war deutlich erhöht. MR-Sellink und Ileokoloskopie zeigten unspezifische entzündliche Veränderungen im Rektum bei makroskopisch unauffälligem Kolon. Histologisch fanden sich epitheliale Ablösungen ähnlich wie bei einer mikroskopischen Kolitis, jedoch ohne eindeutige Hinweise auf eine spezifische chronisch-entzündliche Darmerkrankung. Immunhistochemisch zeigte sich eine deutliche Reduktion von CD138⁺- und IgA⁺-Plasmazellen.
Die Behandlung mit oralem und rektalem Budesonid sowie Mesalazin führte zu einer raschen und vollständigen Rückbildung der Diarrhö sowie zur Normalisierung des Calprotectins und der bildgebenden und histologischen Befunde.
Zusätzlich entwickelte der Patient in Woche 15 eine Psoriasis guttata mit Juckreiz, die trotz topischer Glukokortikoidtherapie über 3 Monate hinaus weiterhin persistiert.
Schlussfolgerung: BCMA-gerichtete Therapien eröffnen neue therapeutische Perspektiven bei Autoimmunerkrankungen, sind jedoch mit potenziell tiefgreifenden Eingriffen in die humorale und mukosale Immunität verbunden. Die ausgeprägte Depletion von B- und Plasmazellen mit konsekutiver Reduktion von Immunglobulinen, insbesondere IgA, könnte die intestinale und kutane Barrierefunktion beeinträchtigen und immunvermittelte Komplikationen begünstigen. Der Fall ergänzt die wachsende Evidenz inflammatorischer Nebenwirkungen und unterstreicht die Notwendigkeit einer systematischen prospektiven Sicherheitsbewertung, insbesondere gastrointestinaler und dermatologischer Manifestationen.
Abbildung 1 [Abb. 1]
Abbildung 1: (A) Ileoskopie, (B) MR-Sellink von Kolorektum und Dünndarm sowie (C) histologische Färbungen intestinaler Biopsien bei Diarrhö 11 Wochen nach Teclistamab. (D) Hautbiopsien zu Symptombeginn (Woche 18 nach Teclistamab) zeigten histologisch psoriasiforme Epidermisveränderungen mit Akanthose, parakeratotischer Verhornung sowie neutrophilen Granulozyten und lymphozytären Infiltraten. (E) Hautbefunde zwei Monate nach lokaler Glukokortikoidtherapie.
Tabelle 1 [Tab. 1]
Tabelle 1: Demografische und klinische Merkmale des Patienten mit Anti-Scl70+ Systemischer Sklerose zu Baseline, Sicherheit und Wirksamkeit der Therapie mit Teclistamab



