Deutscher Rheumatologiekongress 2026
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Säugling mit Aphthen, Gedeihstörung und Fieber
Text
Einleitung: A20-Haploinsuffizienz (HA20) ist eine seltene, monogene autoinflammatorische Erkrankung, die durch heterozygote Loss-of-function-Mutationen im TNFAIP3-Gen (A20) verursacht wird [1]. A20 wirkt als zentraler negativer Regulator des NF-κB-Signalwegs [1], [2], [3]. Eine verminderte Funktion führt zu überschießender Inflammation mit einem breiten Spektrum autoimmuner und autoinflammatorischer Manifestationen; typisch sind vor allem Fieberschübe und Schleimhautulcera, jedoch können weitere Symptome wie z.B. Haut- oder Gelenkbeteiligung auftreten [1], [2], [3]. Sekundär können Autoimmunerkrankungen entstehen [1]. Das Manifestationsalter kann sich stark unterscheiden, liegt aber überwiegend unter 5 Jahren [2].
Methoden: Wir berichten über einen sechs Wochen alten weiblichen Säugling konsanguiner Eltern, der sich mit Gedeihstörung, Dysphagie, Erbrechen, blutigen bzw. schleimigen Diarrhoen sowie einer großen, persistierenden enoralen Aphthe präsentierte. Im Verlauf kamen Fieberschübe hinzu. Zunächst wurde eine Kuhmilchproteinunverträglichkeit bzw. CMV-Infektion vermutet, eine Umstellung auf eine aminosäurebasierte Nahrung bzw. Therapie mit Valganciclovir waren jedoch nicht effektiv. Die immunologische Funktionsdiagnostik (u.a. bezüglich XIAP (X-linked inhibitor of apoptosis protein), NOD2 (Nucleotide-binding oligomerization domain-controlling protein) und CGD (chronic granulomatous disease)) ergab keinen Hinweis auf angeborene Störungen des Immunsystems. Phasenweise trat ein ausgeprägter inspiratorischer Stridor auf, bronchoskopisch wurde lediglich ein unspezifischer Befund dargestellt. In der Endoskopie waren makroskopisch ausgeprägte Ulcerationen des Ösophagus zu sehen, histologisch wurden entzündliche Veränderungen auch im Magen und Dünndarm nachgewiesen.
Ergebnisse: Unter Therapie mit Glucocorticoiden war es schließlich möglich, eine Gewichtszunahme zu erreichen. Durch die humangenetische Untersuchung konnte die Diagnose einer A20 Haploinsuffizienz gesichert werden, so dass eine gezieltere Therapie eingeleitet werden kann.
Schlussfolgerung: Bei Verdacht auf eine autoinflammatorische Erkrankung kann die genetische Diagnostik hilfreich sein, um möglichst frühzeitig eine gezielte Therapie zu ermöglichen und eine erhebliche Morbidität dadurch einzugrenzen.
Offenlegungserklärung: Keine Interessenskonflikte
Literatur
[1] Elhani I, Riller Q, Boursier G, Hentgen V, Rieux-Laucat F, Georgin-Lavialle S. A20 Haploinsufficiency: A Systematic Review of 177 Cases. J Invest Dermatol. 2024 Jun;144(6):1282-1294.e8. DOI: 10.1016/j.jid.2023.12.007[2] Shiraki M, Kadowaki S, Miwa Y, Nishimura K, Maruyama Y, Kishida D, Imagawa K, Kobayashi C, Takada H, Mitsunaga K, Inoue Y, Ebato T, Miyamoto T, Hiejima E, Sato S, Migita K, Matsubayashi T, Kobayashi D, Hasegawa E, Kaneko U, Ishikawa T, Onodera M, Matsushita K, Koike Y, Umebayashi H, Kakuta F, Abukawa D, Funakoshi Y, Ishimura M, Otani Y, Nishizawa T, Ishige T, Hatori R, Tanaka S, Kusunoki S, Nakamura K, Shirai H, Hatai Y, Miyaoka F, Kaneko S, Shimbo A, Shimizu M, Kanegane H, Hashimoto M, Negoro N, Yoshida T, Wada Y, Usami M, Wada T, Izawa K, Yasumi T, Nishikomori R, Ohnishi H. Clinical characteristics and treatment strategies for A20 haploinsufficiency in Japan: a national epidemiological survey. Front Immunol. 2025 Jun 12;16:1548042. DOI: 10.3389/fimmu.2025.1548042
[3] Jayaraman S, Balmuri N. Case Report: Exploring the spectrum of A20 haploinsufficiency in children. Front Pediatr. 2025 Jul 31;13:1624715. DOI: 10.3389/fped.2025.1624715



