Deutscher Rheumatologiekongress 2026
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Multisystemische Inflammation im Kindes- und Jugendalter – Krankheitsbiografie eines Patienten mit HLA-B27-assoziierter Arthritis, kutaner Polyarteriitis nodosa und Mevalonatkinase-V377I-Variante
Text
Einleitung: Inflammatorische Erkrankungen in der Pädiatrie können heterogene und teilweise überlappende klinische Phänotypen aufweisen [1]. Wir berichten über einen Patienten mit den o.g. Pathologien. Die selten beschriebene Koexistenz beider Entitäten wirft die Frage nach einem gemeinsamen inflammatorischen Treiber auf, insbesondere vor dem Hintergrund einer heterozygoten MVK-V377I-Variante.
Methoden: Fallbericht: Wir berichten über einen Patienten mit komplexer (auto)inflammatorischer Krankheitsbiografie. Bereits vor dem 4. Lebensjahr traten rezidivierende Fieberepisoden ohne nachweisbaren Infektfokus auf. Ab dem frühen Kindesalter entwickelten sich wiederkehrende systemische Entzündungsschübe mit ausgeprägten Akutphasenreaktionen und einem autoinflammatorisch imponierenden, MKD-ähnlichen Exanthem, die initial im Sinne einer sJIA eingeordnet wurden. Die Schübe zeigten unter wiederholten hochdosierten Methylprednisolon-Pulstherapien ein unzureichendes Ansprechen. Eine Organbeteiligung trat nicht auf. Molekulargenetisch wurde später eine heterozygote MVK-Variante (p.V377I) nachgewiesen. Obwohl die Kriterien einer gesicherten MVK-Defizienz nicht erfüllt waren [2], [3] ergab sich hierdurch der Hinweis auf eine MVK-assoziierte autoinflammatorische Komponente. Unter Interleukin-6-Blockade ließ sich die systemische Entzündungsaktivität über längere Zeit teilweise kontrollieren, ohne jedoch eine stabile klinische Remission zu erreichen. Weitere Therapieversuche führten ebenfalls nur zu einem partiellen Ansprechen. Im weiteren Verlauf entwickelte sich eine klinisch und histologisch gesicherte kutane Polyarteriitis nodosa mit persistierender vaskulitischer Aktivität (u.a. schmerzhaften subkutanen Läsionen). Im Rahmen der differenzialdiagnostischen Abklärung wurde eine Adenosin-Desaminase-2-Defizienz als Vaskulitis ausgeschlossen. Trotz mehrerer immunmodulatorischer Therapieversuche blieb die Erkrankung aktiv. Erst nach Einleitung einer Therapie mit IVIG kam es zu einem raschen und Abklingen der Symptome. Der komplexe Krankheitsverlauf wird anhand eines longitudinalen Zeitstrahls und klinischer Fotografien dargestellt, die diagnostische Reevaluation und therapeutische Anpassungen im Verlauf veranschaulichen.
Ergebnisse: Bereits nach einmaliger IVIG-Gabe zeigte sich ein rasches und ausgeprägtes klinisches Ansprechen mit vollständiger Remission der kutanen Manifestationen. Weitere systemische Entzündungsschübe traten im Verlauf unter fortgesetzter Therapie alle 6 Wochen nicht mehr auf. Versuche zur Verlängerung der Infusionsintervalle waren jedoch nicht erfolgreich.
Schlussfolgerung: Der vorliegende Fall unterstreicht die Bedeutung eines adaptiven therapeutischen Konzepts bei atypischen, überlappenden inflammatorischen Erkrankungen im Kindes- und Jugendalter. Die Kombination aus HLA-B27-assoziierter Arthritis, kutaner Polyarteriitis nodosa und früher autoinflammatorischer Symptomatik bei heterozygoter MVK-V377I-Variante spricht für einen komplexen (auto)inflammatorischen Mischphänotyp. Eine gesicherte Klassifikation als HIDS lässt sich hieraus jedoch nicht ableiten [3]. IVIG können in einem solchen Kontext eine therapeutische Alternative darstellen.
Abkürzungsverzeichnis: HIDS Hyper-IgD-Syndrom, HLA-B27 Humanes Leukoziytenantigen-B27, IL Interleukin, IVIG Intravenöse Immunglobuline, MKD Mevalonatkinase-Defizienz, MVK Mevalonatkinase, sJIA systemische juvenile idiopathische Arthritis
Offenlegungserklärung: FK, OD, FW, AK, XB, LB erklären, dass kein Interessenkonflikt besteht.
Abbildung 1 [Abb. 1]
Abbildung 1: Linker Unterarm, Hautausschlag während sJIA-Schubes (9. Lebensjahr), mit freundlicher Genehmigung des Patienten 
Abbildung 2 [Abb. 2]
Abbildung 2: Oberschenkel re. Medial: livide tastbare subkutane Knötchen vor IVIG-Therapie, mit freundlicher Genehmigung des Patienten
Abbildung 3 [Abb. 3]
Abbildung 3: Oberschenkel re. Medial: livide tastbare subkutane Knötchen: nach IVIG-Therapie, mit freundlicher Genehmigung des Patienten
Abbildung 4 [Abb. 4]
Literatur
[1] An J, Marwaha A, Laxer RM. Autoinflammatory Diseases: A Review. J Rheumatol. 2024 Sep;51(9):848–861. DOI: 10.3899/jrheum.2023-1209[2] Welzel T, Kuhmmerle-Deschner JB. MKD bei Kindern und Jugendlichen. In: Wagner N, et al, Hrsg. Pädiatrische Rheumatologie. Berlin, Heidelberg: Springer; 2022. p. 776. DOI: 10.1007/978-3-662-60410-6_57
[3] Gattorno M, Hofer M, Federici S, et al. Classification criteria for autoinflammatory recurrent fevers and PFAPA syndrome. Ann Rheum Dis. 2019;78(8):1025–1032. DOI: 10.1136/annrheumdis-2019-215048




