Deutscher Rheumatologiekongress 2026
Deutscher Rheumatologiekongress 2026
Schwarze Finger, dickes Knie
Text
Leitsymptome bei Krankheitsmanifestation: Klinischer Status bei Aufnahme:
Akral: Schmerzhafte livide Läsionen, Splinter-Hämorrhagien an den Fingerkuppen.
Neurologisch: Sensibilitätsstörungen an beiden Unterschenkeln und Fußsohlen.
Gelenkstatus: Weitgehend unauffällig; diskrete Schwellung des linken Kniegelenks.
Allgemein: Körperliche Untersuchung ohne pathologischen Befund.
Diagnostik:
Labor:
Serologie: Hochpositive Anti-CCP-AK und RF-Titer
Entzündungswerte: Moderat erhöhtes CRP, deutlich beschleunigte BSG
Bildgebung
(Ausschluss Malignom/Infektfokus)
CT (Hals/Thorax/Abdomen): Ohne pathologischen Befund.
Echokardiographie: Hämodynamisch unbedeutender Perikarderguss; ansonsten unauffällig
Diagnose:
Systemische rheumatoide Vaskulitis bei hochseropositiver RA:
Mononeuritis multiplex
Digitaler Ischämie
Perikarderguss
Therapie:
Initiale Therapie: Erneute Prednisolon-Pulstherapie (3×250 mg i.v.).
Reduktion: p.o. Erhaltungsdosis: 50 mg/d (~1mg/kg KG).
Progredienz: Innerhalb von drei Tagen Zunahme neurologischer Defizite (Ulnarisparese links), digitaler Ischämien/Nekrosen sowie neuropathischer Schmerzen.
Eskalation: Rituximab (RTX)-Induktion (Tag 0/14).
Persistierende Aktivität: Vaskulitis-Fieber ohne Infektnachweis (Mikrobiologie/Echokardiographie).
Intervention: Erneuter Steroid-Puls (insges. 2,5 g i.v.):
CRP-Normalisierung, jedoch Rezidivfieber bei Reduktionsversuch.
2. Eskalation: Cyclophosphamid (CYC):
1. Gabe: Erneuter CRP-Anstieg, Fieber und Extremitätenschmerzen.
2. Gabe: Erst nach Zweitgabe und Steroidsteigerung stabile Entfieberung.
Erhaltung: niedrig dosierte MTX-Therapie und Steroid-Tapering.
Schmerzmanagement: Tapentadol, Metamizol und hochdosiertes Pregabalin.
Weiterer Verlauf: Akutes Ereignis: Bewegungsabhängige LWS-Schmerzen kurz vor Entlassung.
MRT-Diagnostik: subakute Deckplattenimpressionsfraktur LWK 3.
Diagnose: Glukokortikoid-induzierte manifeste Osteoporose (ED).
Therapie: Initial Teriparatid.
Umstellung auf jährliche Zoledronsäure-Infusion (erschwerte Selbstinjektion).
Outcome und Verlaufskontrolle
Hautbefund: Komplette Abheilung der akralen Nekrosen; vollständige Rückbildung der Splinter-Hämorrhagien.
Neurologie: Stabiler Befund ohne weitere Progredienz.
Stand 26.03.2026: Rezidivfrei unter erneuter RTX-Gabe, fortgeführter MTX-Basistherapie und erfolgreicher Reduktion auf 5 mg Prednisolon.
Besonderheiten des Falles:
Klinische Diskrepanz: Fulminante systemische Vaskulitis („schwarze Finger“) bei minimaler Gelenkbeteiligung („dickes Knie“).
Therapierefraktarität: Akuter neurologischer Progress (Ulnarisparese) und digitale Nekrosen trotz hochdosierter Steroidtherapie.
Diagnostische Herausforderung: Differenzierung zwischen Vaskulitis-Fieber und Infekt unter intensiver Immunsuppression.
Lessons Learned: Früherkennung und Induktion: Akrale Nekrosen und Mononeuritis multiplex sind Alarmsignale einer systemischen Vaskulitis; zur Progressionsvermeidung sollte frühzeitig eine hochdosierte Pulstherapie (1 g/d Prednisolon statt 250 mg/d) erwogen werden.
Kombination: Frühzeitige duale Induktion (RTX+CYC) statt sequenzieller Gabe reduziert potenziell die Progression und Steroidlast.
Offenlegungserklärung: ES erklärt, dass im Zusammenhang mit diesem Beitrag kein Interessenkonflikt besteht.
Danksagung: Besonderer Dank für die wertvolle Beratung gilt: J. Bauhammer (Rheumatologie Baden-Baden), R. Hasseli-Fräbel (Uniklinik Münster), S. Melderis (UKE Hamburg), A.Vilcane (St. Josef-Stift Sendenhorst).



