Logo

Deutscher Rheumatologiekongress 2026

54. Kongress der Deutschen Gesellschaft für Rheumatologie und Klinische Immunologie (DGRh), 36. Jahrestagung der Gesellschaft für Kinder- und Jugendrheumatologie (GKJR), 40. Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Orthopädische Rheumatologie (DGORh)
09.-12.09.2026
Leipzig

Meeting Abstract

Einsamkeit, soziale Einbindung und Selbstwirksamkeit bei axialer Spondyloarthritis im Geschlechtervergleich

Amina Jeleskovic - Zentrum für Versorgungsforschung, Nachwuchsgruppe „User Experience in Digital Health“, Rüdersdorf bei Berlin, Deutschland
Greta Nordmann - Zentrum für Versorgungsforschung, Nachwuchsgruppe „User Experience in Digital Health“, Rüdersdorf bei Berlin, Deutschland
Susann May - Deutsches Herzzentrum der Charité, Klinik für Kardiologie, Angiologie und Intensivmedizin, Berlin, Deutschland; Zentrum für Versorgungsforschung, Nachwuchsgruppe „User Experience in Digital Health“, Rüdersdorf bei Berlin, Deutschland; Charité – Universitätsmedizin Berlin, Berlin, Deutschland
Felix Mühlensiepen - Charité – Universitätsmedizin Berlin, Berlin, Deutschland; Zentrum für Versorgungsforschung, Nachwuchsgruppe „User Experience in Digital Health“, Rüdersdorf bei Berlin, Deutschland; Deutsches Herzzentrum der Charité, Klinik für Kardiologie, Angiologie und Intensivmedizin, Berlin, Deutschland

Text

Einleitung: Axiale Spondyloarthritis (axSpA) belastet Betroffene nicht nur körperlich, sondern auch psychosozial – mit spürbaren Folgen für die soziale Teilhabe und das Selbstmanagement. Einsamkeit, die entsteht, wenn das gewünschte Maß an sozialer Verbundenheit nicht erreicht wird, geht mit ungünstigeren Krankheitsverläufen einher. Wie dieser Mangel an sozialer Eingebundenheit mit der eigenen Handlungskompetenz zusammenhängt und ob sich diese Zusammenhänge je nach Geschlecht und Krankheitsstadium unterscheiden, ist bislang kaum erforscht. Die Studie untersuchte, wie Einsamkeit, soziale Eingebundenheit und Selbstwirksamkeit bei axSpA miteinander zusammenhängen – unter besonderer Berücksichtigung von Geschlechterunterschieden und Veränderungen im zeitlichen Verlauf. Grundlage bildete ein diskrepanztheoretischer Ansatz. Ziel war zudem, Schlussfolgerungen für eine geschlechtersensible psychosoziale Versorgung zu ziehen.

Methoden: Ausgewertet wurden Daten der SPARTAKUS-II-Befragung (n = 390) im Rahmen einer Sekundäranalyse. Einsamkeit, soziale Eingebundenheit und Selbstwirksamkeit wurden rückblickend für zwei Zeitpunkte erhoben – vor und nach Erkrankungsbeginn. Zur Auswertung kamen Spearman-Korrelationen, Wilcoxon-Tests sowie geschlechtsstratifizierte, gamma-gewichtete Proxies zum Einsatz.

Ergebnisse: Mit Erkrankungsbeginn stieg das Einsamkeitserleben an, während soziale Eingebundenheit und Selbstwirksamkeit zurückgingen (alle p < 0,01). Zu beiden Messzeitpunkten zeigten sich mittlere Zusammenhänge zwischen stärkerer Einsamkeit bzw. geringerer sozialer Eingebundenheit und niedrigerer Selbstwirksamkeit (ρ ≈ 0,43–0,52; alle p < 0,001); der diskrepanzbasierte Proxy wies dabei die stärksten Assoziationen auf (ρ ≈ 0,54). Im Geschlechtervergleich zeigten sich deutliche Unterschiede: Bei Frauen war die Beziehung zwischen Einsamkeit und Selbstwirksamkeit vor Erkrankungsbeginn stark einsamkeitsgeprägt (γ = 0,66) und verschob sich nach Erkrankungsbeginn hin zu einem ausgewogeneren Einfluss beider Faktoren (γ = 0,47). Bei Männern hingegen war keine vergleichbare Verschiebung erkennbar; stattdessen verlor der Zusammenhang zwischen Einsamkeit und Selbstwirksamkeit an Stärke, während die erlebte soziale Eingebundenheit zunehmend in den Vordergrund trat.

Schlussfolgerung: Die Selbstwirksamkeit bei axSpA wird nicht durch unveränderliche Merkmale bestimmt, sondern durch psychosoziale Prozesse, die sich im Krankheitsverlauf wandeln und zwischen den Geschlechtern unterscheiden. Frauen und Männer zeigen unterschiedliche Muster darin, wie Einsamkeit und soziale Eingebundenheit ihre Handlungskompetenz beeinflussen. Die Ergebnisse sprechen für den Einsatz geschlechtssensibler und verlaufsbewusster Ansätze in der psychosozialen Begleitung von axSpA-Betroffenen, um Selbstmanagement und patientenzentrierte Behandlungsziele zu fördern.