Jahrestagung Kinderurologie 2026
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Thermische Verletzungen des äußeren Genitals bei Kindern und Jugendlichen
Text
Hintergrund: Thermische Verletzungen zählen zu den häufigsten Notfallvorstellungsgründen im Kindes- und Jugendalter. Verbrühungen machen dabei den Großteil der Verletzungen aus; Verletzungen des äußeren Genitals sind jedoch selten und erfordern aufgrund ihrer funktionellen Bedeutung sowie möglicher Komplikationen eine multidisziplinäre Versorgung.
Fallbericht: Wir berichten über einen 4-jährigen Jungen mit blasentragender Verbrühung von 30% der Körperoberfläche nach versehentlichem Herabfallen eines Topfes mit kochendem Wasser. Betroffen waren Thorax, Abdomen, rechter Arm (zirkulär am Handgelenk), beide Beine (zirkulär am linken Unterschenkel), der linke Fuß sowie der Genitalbereich. Eine initiale Kühlung war nicht erfolgt. Der Patient wurde sediert durch den Notarzt übergeben und gemeinsam mit der pädiatrischen Intensivstation versorgt. Die Erstbehandlung umfasste ein großflächiges Débridement sowie die Applikation von Polyhexanid-Gel und Celluloseacetat-Maschennetz. Aufgrund der ausgeprägten Schwellung und blasigen, oberflächlich-dermalen Verbrühung des zirkumzidierten Genitals erfolgten die Einlage eines transurethralen Ballonkatheters und eine analoge Wundbehandlung. Trotz persistierender Schwellung und Sekretion heilte die Verletzung im Genitalbereich narbenfrei ab; der Katheter konnte nach 14 Tagen komplikationslos entfernt werden.
Im weiteren Verlauf zeigte der Patient einen oberen Atemwegsinfekt mit multiplen Erregernachweisen, weshalb zeitweise eine HFNC-Therapie notwendig war. Insgesamt mussten ca. 10% der verbrühten Körperoberfläche aufgrund tief-dermaler Schäden nach Nekrektomie mittels Spalthauttransplantation versorgt werden.
Diskussion: In Deutschland werden jährlich etwa 30.000 Kinder wegen thermischer Verletzungen behandelt; 2023 wurden 1.864 stationäre Fälle im nationalen Verbrennungsregister erfasst. Verbrühungen aus häuslichen Situationen dominieren (97%), zumeist durch heiße Getränke oder Flüssigkeiten. Genitalverletzungen machen nur etwa 6% der Fälle aus, sind jedoch häufig komplex. Das therapeutische Spektrum reicht von konservativer Wundversorgung über Biotextile Matrix (BTM) bis hin zu Spalt- oder Vollhauttransplantationen. Insbesondere Hauttransplantationen am Penis sind in der Literatur mit einer erhöhten Rate an Transplantatversagen beschrieben, weshalb der Erhalt oberflächlicher Strukturen und eine möglichst konservative Therapie im Vordergrund stehen.
Schlussfolgerung: Dieser Fall unterstreicht die Bedeutung einer frühzeitigen interdisziplinären Versorgung thermischer Verletzungen des äußeren Genitals bei Kindern. Trotz erheblicher Schwellung und oberflächlich-dermaler Schädigung kann bei adäquater Behandlung eine narbenfreie Heilung erreicht werden. Gleichzeitig verdeutlicht der Fall die Relevanz strukturierter Registerdaten und die Notwendigkeit spezialisierter Zentren für schwerbrandverletzte Kinder.



