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Gesundheit gestalten

Deutsche Gesellschaft für Allgemeinmedizin und Familienmedizin (DEGAM), Deutsche Gesellschaft für Sozialmedizin und Prävention (DGSMP), Netzwerk Evidenzbasierte Medizin e.V. (EbM), Deutsche Gesellschaft für Medizinische Soziologie (DGMS)
30.09.2026-02.10.2026
Göttingen

Meeting Abstract

DiGA-Evidenzcheck – Herausforderungen und praktische Lösungsansätze für den evidenzbasierten Einsatz digitaler Gesundheitsanwendungen (DiGA) in der Versorgung

Naomi Fujita-Rohwerder - Fliedner Fachhochschule, Deutschland
Madlen Sixtensson - Medizinischer Dienst Bund, Deutschland
Johanna Breilmann - Medizinischer Dienst Bund, Deutschland
Bernd Hemming - Fliedner Fachhochschule, Deutschland

Text

Hintergrund: DiGA werden seit 2020 durch die GKV erstattet. Sie finden über das BfArM durch eine vorläufige oder dauerhafte Aufnahme in das DiGA-Verzeichnis ihren Weg in die Erstattungsfähigkeit. Da DiGA geringeren Evidenzanforderungen unterliegen, bestehen in der hausärztlichen Praxis häufig Unsicherheiten hinsichtlich des Nutzens einer DiGA für Patient:innen. Gleichzeitig steigt jedoch der Patient:innenwunsch nach einer Verordnung. Dies führt zu einem Spannungsfeld zwischen dem Angebot innovativer, erstattungsfähiger DiGA und dem Anspruch an eine evidenzbasierte Patientenversorgung in der hausärztlichen Praxis.

Zielsetzung/Fragestellung: Der Workshop gibt einen Überblick über das Fast-Track-Verfahren des BfArM und die gesetzlichen Evidenzanforderungen an DiGA. Die Teilnehmenden lernen eine kritische Ersteinschätzung zur vorhandenen Evidenz vorzunehmen, zentrale Schwächen und Limitationen zu erkennen sowie die klinische Relevanz für die Praxis einzuordnen. Zudem werden Ideen zum Umgang mit patientenseitigen Anfragen zu DiGA gemeinsam reflektiert.

Diskussionspunkt:

Wie viel Evidenz ist ausreichend für die Verordnung einer DiGA, und welche Informationen werden hierfür benötigt?

Ist eine kritische Ersteinschätzung der Evidenz im hausärztlichen Alltag praktikabel?

Wie lässt sich mit patientenseitigen DiGA-Wünschen umgehen, wenn die vorliegende Evidenz unklar oder begrenzt ist?

Zielgruppe: Alle Berufsgruppen, die DiGA verordnen dürfen, insbesondere Hausärzt:innen und Allgemeinmediziner:innen

Didaktische Methode/n:

Einstieg (10 Min.): Abfrage von Erfahrungen der Teilnehmer:innen aus der Praxis (u. a. zu Patientenwünschen, bisheriger DiGA-Nutzung, Unsicherheiten, Herstellerkontakten)

Impulsvortrag (15 Min.): Überblick über das Fast-Track-Verfahren, das DiGA-Verzeichnis und die gesetzlichen Evidenzanforderungen, u.a. Unterschiede zwischen vorläufig und dauerhaft gelisteten DiGA

Kleingruppenarbeit (30 Min.): Einführung in einen praxisnahen Evidenzcheck zur Ersteinschätzung von DiGA sowie anschließende eigenständige Anwendung auf ausgewählte DiGA-Beispiele

Plenum (25 Min.): Präsentation und Diskussion der Ergebnisse

Abschluss (10 Min.): Strukturierte Diskussion zum Umgang mit patientenseitigen DiGA-Wünschen bei unzureichender Evidenz

Take Home Message für die Praxis: Da DiGA durch einen Sonderweg in den GKV-Leistungskatalog gelangen, ist insbesondere bei vorläufig gelisteten DiGA der eigene kritische Blick auf die vorhandene Evidenz notwendig, um eine evidenzbasierte Patientenversorgung zu ermöglichen und auf patientenseitige Anfragen fundiert eingehen zu können.

Kurzvorstellung des/r Workshop-leitenden Person/en: Die Workshop-Leitung erfolgt durch Prof. Dr. Naomi Fujita-Rohwerder, Dr. Madlen Sixtensson, Dr. Johanna Breilmann und Prof. Dr. med. Bernd Hemming. Prof. Dr. Fujita-Rohwerder war 12 Jahre als wissenschaftliche Mitarbeiterin in verschiedenen Funktionen am Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG) tätig, bevor sie vor zwei Jahren einen Ruf auf eine Professur für Evidenzbasierte Medizin und Digital Health annahm. Sie befasst sich seit Beginn des entsprechenden Gesetzgebungsverfahrens in 2019 mit der Evidenzbasierung von DiGA. Dr. Sixtensson und Dr. Breilmann setzen sich im Auftrag des GKV-Spitzenverbandes mit der Evidenzbewertung von DiGA im Rahmen der Preisverhandlungen auseinander. Prof. Dr. med. Hemming ist seit über 25 Jahren als Hausarzt niedergelassen. Im Rahmen seiner Professur für Allgemein- und Familienmedizin beschäftigt er sich mit der evidenzbasierten Patient:innenversorgung in interprofessionellen Teams der Hausarztpraxis.

Geschätzte Anzahl Teilnehmern/innen: 20–25 Personen

Interessenkonflikte: N. Fujita-Rohwerder, B. Hemming: Keine.

M. Sixtensson, J. Breilmann: Beratung des GKV-SV bei den Preisverhandlungen zu DiGA als fachlich unabhängige Expertenorganisation (Medizinischer Dienst Bund).