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Gesundheit gestalten

Deutsche Gesellschaft für Allgemeinmedizin und Familienmedizin (DEGAM), Deutsche Gesellschaft für Sozialmedizin und Prävention (DGSMP), Netzwerk Evidenzbasierte Medizin e.V. (EbM), Deutsche Gesellschaft für Medizinische Soziologie (DGMS)
30.09.2026-02.10.2026
Göttingen

Meeting Abstract

Zeitpunkt der Beikosteinführung zur frühkindlichen Allergieprävention: Ergebnisse eines Overviews of Reviews und methodische Implikationen

Paula Kuper - Otto-von-Guericke Universität Magdeburg, Institut für Sozialmedizin und Gesundheitssystemforschung, Magdeburg, Deutschland
Claudia Hasenpusch - Otto-von-Guericke Universität Magdeburg, Institut für Sozialmedizin und Gesundheitssystemforschung, Magdeburg, Deutschland
Simone Proebstl - Otto-von-Guericke Universität Magdeburg, Institut für Sozialmedizin und Gesundheitssystemforschung, Magdeburg, Deutschland
Uwe Matterne - Otto-von-Guericke Universität Magdeburg, Institut für Sozialmedizin und Gesundheitssystemforschung, Magdeburg, Deutschland
Catherine J. Hornung - Murdoch Children's Research InstituteParkville, Parkville, Australien; Centre for Food & Allergy Research, Australien
Esther Ivanka Grätsch - Otto-von-Guericke Universität Magdeburg, Institut für Sozialmedizin und Gesundheitssystemforschung, Magdeburg, Deutschland
Mengtong Li - Otto-von-Guericke Universität Magdeburg, Institut für Sozialmedizin und Gesundheitssystemforschung, Magdeburg, Deutschland
Antonia Sprenger - Otto-von-Guericke Universität Magdeburg, Institut für Sozialmedizin und Gesundheitssystemforschung, Magdeburg, Deutschland
Dawid Pieper - Brandenburg Medical School Theodor Fontane, Faculty of Health Sciences Brandenburg, Institute for Health Services and Health System Research, Deutschland; Brandenburg Medical School Theodor Fontane, Center for Health Services Research, Deutschland
Jennifer J. Koplin - The University of Queensland, Child Health Research Centre, Australien; Centre for Food & Allergy Research, Australien
Michael R. Perkin - St. George’s University London, Population Health Research Institute, London, Großbritannien
Jon Genuneit - Leipzig University, Pediatric Epidemiology, Department of Pediatrics, Medical Faculty, Leipzig, Deutschland
Christian Apfelbacher - Otto-von-Guericke Universität Magdeburg, Institut für Sozialmedizin und Gesundheitssystemforschung, Magdeburg, Deutschland

Text

Hintergrund: Die frühe Einführung allergener Beikost gilt als vielversprechender Ansatz zur Primärprävention von Allergien. Die Evidenz hierzu wurde in den vergangenen Jahren in zahlreichen systematischen Übersichtsarbeiten (SRs) zusammengefasst.

Zielsetzung: Zusammenfassung und kritische Bewertung der SR-Evidenz zu den Auswirkungen des Zeitpunkts der Beikosteinführung auf das Auftreten allergischer Sensibilisierungen und Erkrankungen.

Methoden: Wir führten eine systematische Suche in MEDLINE, der Cochrane Library und Web of Science, im Suchzeitraum von Januar 2010 bis Februar 2023 durch. Eingeschlossen wurden SRs randomisierter kontrollierten Studien (RCTs), die den Einfluss des Zeitpunkts der Beikosteinführung bei Säuglingen und Kleinkindern (0–3 Jahre) auf das Risiko der Entstehung von Nahrungsmittelallergien, allergischer Sensibilisierung, Asthma, allergischer Rhinitis, Neurodermitis oder auf das Auftreten unerwünschter Ereignisse untersuchten. Die Ergebnisse wurden narrativ zusammengefasst. Die methodische Qualität und das Verzerrungsrisiko der SRs bewerteten wir mit AMSTAR 2 und ROBIS. Das Verzerrungsrisiko der RCTs wurde aus den SRs übernommen oder mithilfe des RoB-2-Tools beurteilt. Die Evidenzsicherheit wurde nach GRADE bewertet. Die Überlappung der in den SRs berichteten RCTs bestimmten wir anhand der Corrected Covered Area (CCA).

Ergebnisse: Von elf eingeschlossenen SRs wiesen zwei ein geringes Verzerrungsrisiko auf. Häufige methodische Schwächen waren fehlende Angaben zur Finanzierung der Primärstudien und zu ausgeschlossenen Studien. Häufige Limitationen der RCTs betrafen fehlende Verblindung der Endpunktbewertung, eine unzureichende berichtete Präregistrierung und den Umgang mit hohen Drop-out-Raten. Die Überschneidung der eingeschlossenen RCTs war für spezifische Nahrungsmittelallergien sehr hoch. Zudem unterschieden sich die RCTs deutlich hinsichtlich Zeitpunkt und Art der Beikosteinführung sowie des Allergierisikos der Populationen. Die Evidenz deutet darauf hin, dass die frühe Einführung von Erdnüssen und gekochtem Ei das Risiko entsprechender Nahrungsmittelallergien wahrscheinlich reduziert. Für andere allergische Endpunkte war die Evidenz aufgrund weniger RCTs überwiegend sehr unsicher.

Diskussion: Für die Entwicklung evidenzbasierter Leitlinien zur Unterstützung von Entscheidungen über den optimalen Zeitpunkt der Beikosteinführung als Präventionsstrategie erscheint die frühe Einführung spezifischer Lebensmittel vielversprechend. Hinsichtlich anderer allergischer Endpunkte sowie potenzieller unerwünschter Ereignisse besteht weiterhin erheblicher Forschungsbedarf.

Take Home Message: Die frühe Einführung von Erdnüssen und gekochten Eiern sollte im Rahmen der Beikosteinführung zur Prävention spezifischer Nahrungsmittelallergien berücksichtigt werden.

Interessenkonflikte: Keine