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Gesundheit gestalten

Deutsche Gesellschaft für Allgemeinmedizin und Familienmedizin (DEGAM), Deutsche Gesellschaft für Sozialmedizin und Prävention (DGSMP), Netzwerk Evidenzbasierte Medizin e.V. (EbM), Deutsche Gesellschaft für Medizinische Soziologie (DGMS)
30.09.2026-02.10.2026
Göttingen

Meeting Abstract

Einsatzbezogene Praktiken von Gemeindenotfallsanitäter:innen – eine fokussierte Ethnographie

Tjard Sattler - Carl von Ossietzky Universität Oldenburg, Fakultät für Medizin und Gesundheitswissenschaften, Department für Versorgungsforschung, Oldenburg, Deutschland; Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf, Institut für Gesundheitsökonomie und Versorgungsforschung, Hamburg, Deutschland
Tom Stadtlander - Carl von Ossietzky Universität Oldenburg, Fakultät für Medizin und Gesundheitswissenschaften, Department für Versorgungsforschung, Oldenburg, Deutschland
Johanna Lubasch - Carl von Ossietzky Universität Oldenburg, Fakultät für Medizin und Gesundheitswissenschaften, Department für Versorgungsforschung, Oldenburg, Deutschland

Text

Hintergrund: Gemeindenotfallsanitäter:innen (GNFS) sind ein neues Konzept zu ressourcenschonenden und patient:innengerechteren Versorgung bei niedrigprioritären Notrufen. Sie werden zu Notrufen, bei denen keine unmittelbare schwere Gesundheitsgefährdung erwartet wird, entsendet und versuchen, den Anrufenden vor Ort zu helfen oder sie in ambulante Strukturen zu vermitteln.

Über die konkrete Arbeitsweise der GNFS ist wenig bekannt, bestehende Veröffentlichungen zu rettungsdienstlichen Praktiken sind kaum auf sie anwendbar. Ihr Handeln mit seinen Hintergründen zu verstehen kann dazu beitragen, wirksam Maßnahmen zur Verbesserung der Versorgungsqualität zu entwickeln.

Zielsetzung/Fragestellung: Ziel dieser Studie ist es daher, einsatzbezogene Praktiken der GNFS zu beschreiben und mit ihrem praktischen Wissen sowie den Rahmenbedingungen ihres Handelns in Verbindung zu bringen. Von besonderem Interesse sind dabei ihre Interaktionen mit Beteiligten und die Konstruktion von Transportentscheidungen.

Material & Methoden: Hierzu werden im Rahmen einer fokussierten Ethnographie teilnehmende Beobachtungen von GNFS-Einsätzen durchgeführt und informelle Gespräche mit den GNFS in Feldprotokollen festgehalten. Ergänzend werden relevante Passagen semistrukturierter Interviews aus einem Projekt zur Arbeitszufriedenheit von GNFS verwendet. Die Auswertung erfolgt als Reflexive Thematische Analyse unter Einbeziehung von Kontextinformationen.

Ergebnisse: Analysiert werden aktuell 27 bisher beobachtete Einsätze sowie die ergänzenden Interviewdaten. Vier abschließende Beobachtungstermine sind Anfang Mai geplant. Die Auswertung wird voraussichtlich im Juni abgeschlossen, sodass zum Kongress Ergebnisse vorliegen werden.

Diskussion: Die Verbindung von Beobachtungen zum Wahrnehmen von (Mikro-)Praktiken und Gesprächen zum Erfassen des diese leitenden praktischen Wissens in einer fokussierten Ethnographie ermöglicht es, ein tiefes Verständnis des Handelns der GNFS im bestehenden System zu entwickeln.

Take Home Message für die Praxis: Aus den Ergebnissen werden sich Techniken zum konkreten Umgang mit niedrigprioritären Einsätzen sowie vermutlich Schulungsbedarfe und aktuelle Schnittstellenprobleme ableiten lassen.

Interessenkonflikte: Tjard Sattler war Praktikant beim Träger des Rettungsdienstes, in dessen Bereich die GNFS eingesetzt wurden, und erhielt dafür eine Aufgabenstellung.

Tom Stadtlander hat eine Teilzeitstelle bei der Organisation, mit deren GNFS die teilnehmenden Beobachtungen durchgeführt wurden.

Johanna Lubasch hat eine Teilzeitstelle bei diesem Träger des Rettungsdienstes. Zudem war sie bereits an mehreren Forschungsprojekten zu den GNFS beteiligt.