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Gesundheit gestalten

Deutsche Gesellschaft für Allgemeinmedizin und Familienmedizin (DEGAM), Deutsche Gesellschaft für Sozialmedizin und Prävention (DGSMP), Netzwerk Evidenzbasierte Medizin e.V. (EbM), Deutsche Gesellschaft für Medizinische Soziologie (DGMS)
30.09.2026-02.10.2026
Göttingen

Meeting Abstract

„No-shows“ nach positivem Case-Finding: Hürden zwischen haus- und fachärztlichem Übergang in der Demenzdiagnostik

Carolin Rosendahl - Universität Witten/Herdecke, Institut für Allgemeinmedizin und Ambulante Gesundheitsversorgung, Lehrstuhl I Allgemeinmedizin und Interprofessionelle Versorgung, Witten, Deutschland
Alexander Hanke - Universitätsklinikum Bonn, Klinik für Alterspsychiatrie und kognitive Störungen, Bonn, Deutschland
Michael Wagner - Universitätsklinikum Bonn, Klinik für Alterspsychiatrie und kognitive Störungen, Bonn, Deutschland
Klaus Weckbecker - Universität Witten/Herdecke, Institut für Allgemeinmedizin und Ambulante Gesundheitsversorgung, Lehrstuhl I Allgemeinmedizin und Interprofessionelle Versorgung, Witten, Deutschland

Text

Hintergrund: In Deutschland leben rund 1,8 Millionen Menschen mit Demenz, Tendenz stark steigend. Die Diagnose erfolgt häufig spät und überwiegend in spezialisierten Fachzentren, obwohl Hausärzt:innen oftmals die erste Anlaufstelle sind. Im Projekt „iCreate“ wurden in hausärztlichen Praxen tabletbasierte Kognitionstestungen durchgeführt. Von 95 Patient:innen mit auffälligen Ergebnissen, nahmen nur 68 die Überweisung zur weiteren Differenzialdiagnostik zur Gedächtnisambulanz wahr. Die anderen 27 Patient:innen waren „No-shows“. Hürden vor dem ersten Arztbesuch bei kognitiven Defiziten sind gut erforscht, allerdings ist unklar warum Patient:innen nach einer hausärztlichen Erstdiagnostik keine weitere fachärztliche Diagnostik aufsuchen.

Zielsetzung/Fragestellung: Ziel ist es Gründe aus Sicht von Patient:innen und Angehörigen zu identifizieren, warum eine weiterführende Differenzialdiagnostik nach positivem Case-finding nicht in Anspruch genommen wurde und Handlungsempfehlungen abzuleiten.

Diskussionspunkt: Die Befragten erleben eine Versorgungslücke zwischen haus- und fächärztlichem Setting sowie ein individuelles Geflecht aus Hürden, die drei Ebenen zu zuordnen und objektivierbar sind: a) Psycho-sozial: Angst vor Autonomieverlust/Stigma, Abwehr/Ambivalenz, Wunsch/Recht auf Nicht-Wissen; b) Strukturell und organisatorisch: Transport-/Termin-/Koordinationsprobleme und c) Versorgungs- und prozessbezogen: Unklarer Nutzen, fehlende Anschlussoptionen.

Inhalt: Es wurden neun Interviews und fünfzehn telefonische Befragungen mit den 27 „No-shows“ bzw. Angehörigen aus „iCreate“ durchgeführt und softwaregestützt mittels qualitativer Inhaltsanalyse nach Kuckartz und Rädiker ausgewertet.

Take Home Message für die Praxis: Um eine bedarfsgerechte Demenzdiagnostik zu ermöglichen, müssen Ursachen von Versorgungslücken rechtzeitig identifiziert und adressiert werden. Case-finding-Programme benötigen daher von Beginn an standardisierte Pfade mit schriftlichen Zusammenfassungen (Arbeitsdiagnose, nächste Schritte, Ansprechpersonen) und könnten durch ein gestuftes shared decision-making, unterstützt durch Dementia Care Manager, die empfundenen Hürden und Versorgungslücken schließen.

Interessenkonflikt: Die Studie wird durch die Interne Forschungsförderung der Fakultät für Gesundheit der Universität Witten/Herdecke gefördert, IFF 2025-10