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Gesundheit gestalten

Deutsche Gesellschaft für Allgemeinmedizin und Familienmedizin (DEGAM), Deutsche Gesellschaft für Sozialmedizin und Prävention (DGSMP), Netzwerk Evidenzbasierte Medizin e.V. (EbM), Deutsche Gesellschaft für Medizinische Soziologie (DGMS)
30.09.2026-02.10.2026
Göttingen

Meeting Abstract

Wieder alleine? Einsamkeit und soziale Isolation im Entlassprozess aus Patient:innenperspektive

Hannah Katharina Schroeder - Charité – Universitätsmedizin Berlin, Deutschland
Juliana Supplieth - Charité, Medizinisches Institut für Soziologie und Rehabilitationswissenschaften, Deutschland
Marie Anna Therese Horzetzky - Charité, Medizinisches Institut für Soziologie und Rehabilitationswissenschaften, Deutschland
Stefanie Schreiter - Charité – Universitätsmedizin Berlin, Deutschland
Jolie O'Sullivan - Charité, Medizinisches Institut für Soziologie und Rehabilitationswissenschaften, Deutschland

Text

Hintergrund: Einsamkeit und soziale Isolation (ESI) sind bei Menschen mit schweren psychischen Erkrankungen (SPE) mit einer Prävalenz von über 50% weit verbreitet und mit ungünstigen gesundheitlichen Verläufen und verminderter Lebensqualität assoziiert. Einsamkeit beschreibt dabei die subjektiv erlebte Diskrepanz zwischen gewünschten und tatsächlichen sozialen Beziehungen, während soziale Isolation einen objektiven Mangel an sozialen Kontakten bezeichnet. Während ESI bei Menschen mit SPE insgesamt gut untersucht sind, wurde ihre Bedeutung im Entlassprozess aus der Psychiatrie bislang unzureichend erforscht. Insbesondere fehlt Wissen darüber, wie Patient:Innen ESI im Übergang von der Klinik in den Alltag erleben und wie dies die Nutzung ambulanter Angebote beeinflusst.

Zielsetzung/Fragestellung: Ziel des Beitrags ist es, die Bedeutung von ESI im Entlassprozess sowie im Übergang in die ambulante Versorgung basierend auf den subjektiven Erfahrungen von Patient:Innen zu untersuchen.

1. Wie erleben Patient:Innen den Übergang nach der Entlassung und welche Rolle spielen ESI hierbei? 2. Inwiefern beeinflusst ESI die Inanspruchnahme ambulanter Strukturen? 3. Welche Barrieren und Unterstützungsbedarfe ergeben sich daraus?

Diskussionspunkt: ESI sind zentrale, bislang unzureichend adressierte Faktoren im Entlassmanagement. Sie beeinflussen maßgeblich, ob und wie Patient:Innen in Versorgungsstrukturen ankommen. Entlassprozesse sollten stärker sozialraumorientiert gestaltet werden und gezielt Maßnahmen zur Förderung sozialer Einbindung und niederschwelliger Unterstützung integrieren. Eine stärkere Berücksichtigung subjektiver Erfahrungen kann dazu beitragen, Versorgungslücken zu reduzieren und nachhaltige Stabilisierung nach der Entlassung zu fördern.

Inhalt: Grundlage bildet eine qualitative Interviewstudie mit Patient:Innen nach stationärer psychiatrischer Behandlung. Erste Ergebnisse zeigen, dass ESI eine zentrale Herausforderung im Alltag nach der Entlassung darstellen. Dies hängt zum einen mit dem Wegfall sozialer Bezüge während der Klinikbehandlung zusammen, zum anderen mit bereits bestehenden krankheitsbedingten sozialen Rückzugstendenzen. ESI wirkt dabei sowohl als Folge als auch als Verstärker psychischer Belastung und erschwert die aktive Inanspruchnahme von Hilfsangeboten.

Take Home Message für die Praxis: ESI nach der Entlassung sind kein Randphänomen, sondern entscheidend für einen gelingenden Übergang in die ambulante Versorgung. Soziale Einbindung und niedrigschwellige Versorgungsangebote sollten daher im Entlassmanagement von Beginn an mitgedacht werden.

Interessenkonflikte: Keine