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Gesundheit gestalten
30.09.2026-02.10.2026
Göttingen
Gesundheit gestalten
Sexuelle Gesundheit in Alltag und Versorgung: ein interdisziplinärer Ansatz für Bildung und Enttabuisierung
Text
Hintergrund: Sexuelle Gesundheit beeinflusst die Gesundheit und das Wohlbefinden von Einzelpersonen, Paaren und Familien und die soziale und wirtschaftliche Entwicklung von Gemeinschaften und Ländern [1]. Sie ist also mehr als ein Thema privater Intimsphäre und manifestiert sich auf Dating-Apps, am Arbeitsplatz oder in Pflegeeinrichtungen. Kurz: überall dort, wo Menschen leben und interagieren. Trotz ihrer Allgegenwärtigkeit bleibt sie oft unbeachtet, insbesondere dort, wo strukturelle Hürden oder gesellschaftliche Stigmatisierungen den Zugang zu Informationen erschweren. Zwischen gesellschaftlicher Liberalisierung und struktureller Unsichtbarkeit bewegt sich eine Gesundheits- und Diversitätsdimension, die bisher nicht systematisch adressiert wird.
Obwohl Sexuelle Gesundheit ein gesellschaftliches Querschnittsthema darstellt, ist sie in der Qualifizierung professioneller Akteur:innen bisher nur rudimentär verankert [2].
Zielsetzung/Fragestellung: Ziel des Projekts ist es, Sexuelle Gesundheit als integralen Bestandteil zeitgemäßer Gesundheitsversorgung zu etablieren. Hierzu soll ein Paradigmenwechsel angestoßen werden: weg von Scham und Tabuisierung, hin zu Sichtbarkeit, Entstigmatisierung und evidenzbasierter Wissensvermittlung für Ratsuchende und Fachpersonal.
Material & Methoden: Im Bochumer Walk In Ruhr (WIR), Zentrum für Sexuelle Gesundheit und Medizin, wird im Rahmen eines BMFTR geförderten Projektes die digitale Plattform Tabubruch entwickelt. Das Bildungsangebot stellt evidenzbasierte Informationen und fachliche Weiterbildungen zu Sexualität und Sexueller Gesundheit niedrigschwellig dar.
Ergänzend wurde an der Ruhr-Universität Bochum das Wahlfach „Sexuelle Gesundheit und Sexualmedizin“ implementiert, in dem Medizinstudierende online fachliche Kompetenzen erwerben, ergänzt durch praxisnahe Hospitationen im WIR.
Ergebnisse: Beide Projektbestandteile befinden sich in der Evaluationsphase. Das Wahlmodul wurde von ersten Studierenden abgeschlossen und wird derzeit bewertet. Die Plattform wird mittels Mixed-Methods evaluiert. Ergebnisse stehen aktuell noch aus und sollen im Rahmen des Kongresses präsentiert werden.
Diskussion: Das Projekt zeigt, dass Sexuelle Gesundheit als gemeinschaftliche Aufgabe betrachtet werden muss: zwischen Fachkräften, Lehrenden, Studierenden, Ratsuchenden, Beratenden und in verschiedenen Lebenswelten.
Take Home Message für die Praxis: Wir sind alle sexuelle Wesen und Sexuelle Gesundheit wird nur dann wirksam, wenn sie gemeinsam gestaltet wird: von allen, für alle und mit allen.
Interessenkonflikte: Adriane Skaletz-Rorowski: Mitglied bei der DAIG e.V., DSTIG e.V., STI-Gesellschaft/Ruhr e.V., Kompetenznetz HIV/AIDS e., Drittmittel:Knappschaft, BMFTR, GILEAD, AbbVie, EADV; Reisekostenerstattung: AbbVie, MSD und GILEAD
Literatur
[1] WHO. Sexual Health. WHO; 2026 [cited 2026]. Available from: https://www.who.int/health-topics/sexualhealth#tab=tab_1[2] Klein V, Brunner F, Grabowski M, Turner D. Stigma Surrounding Sexually Transmitted Infections among Medical Students in Germany. J Sex Res. 2021 Jan;58(1):129-136. DOI: 10.1080/00224499.2020.1763238



