Logo

Gesundheit gestalten

Deutsche Gesellschaft für Allgemeinmedizin und Familienmedizin (DEGAM), Deutsche Gesellschaft für Sozialmedizin und Prävention (DGSMP), Netzwerk Evidenzbasierte Medizin e.V. (EbM), Deutsche Gesellschaft für Medizinische Soziologie (DGMS)
30.09.2026-02.10.2026
Göttingen

Meeting Abstract

Informationsüberflutung am Arbeitsplatz – Mediator zwischen psychosozialen Arbeitsbedingungen und emotionaler Erschöpfung?

Uwe Rose - Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin, Fachbereich 3: Arbeit und Gesundheit, Deutschland
Gisa Junghanns - Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin, Fachbereich 3: Arbeit und Gesundheit, Deutschland

Text

Hintergrund: Mit der Nutzung moderner Informations- und Kommunikationsmittel bei der Arbeit kommt dem Umgang mit hohen Informationsmengen eine große Bedeutung zu. Bislang gibt es erste Befunde darüber, wie das Erleben von Informationsüberflutung sowohl mit psychosozialen Arbeitsbedingungen als auch emotionaler Erschöpfung einhergeht. Unklar bleiben jedoch die genaueren Zusammenhänge zwischen diesen drei Aspekten.

Zielsetzung/Fragestellung: Vor dem Hintergrund empirischer Befunde zu diesen Zusammenhängen soll der Frage nachgegangen werden, ob Informationsüberflutung den Zusammenhang zwischen psychosozialen Arbeitsbedingungen und emotionaler Erschöpfung vermittelt bzw. mediiert.

Material & Methoden: Basis bildete die dritte Erhebung in der Kohortenstudie zur Mentalen Gesundheit bei der Arbeit (S-MGA). Die Analysestichprobe verteilt sich auf 2781 Frauen und 2875 Männer. Zielvariable ist die Dimension der emotionalen Erschöpfung des Oldenburg Burnout-Inventory (OLBI). Die psychosozialen Arbeitsbedingungen wurden über den Copenhagen Psychosocial Questionnaire (COPSOQ), das Erleben von Informationsüberflutung anhand einer 5stufigen Ordinalskala ermittelt. In drei Regressionsanalysen mit der OLBI-Dimension als Outcome wurden – adjustiert für die ermittelten Confounder – a) die Zusammenhänge mit den COPSOQ-Skalen, b) mit der Informationsüberflutung und c) mit der Kombination von COPSOQ-Skalen und Informationsüberflutung analysiert. Der Hauptfokus liegt auf dem Vergleich der Ergebnisse von a) und c). Neben dieser traditionellen Vorgehensweise wurde im Rahmen einer Sensitivitätsanalyse eine Überprüfung des indirekten Pfades über eine Pfadanalyse vorgenommen.

Ergebnisse: Die Hinzunahme von Informationsüberflutung zum Regressionsmodell in c) führt nicht dazu, dass alle Effekte der COPSOQ-Variablen aus a) in c) insignifikant werden. Die Ergebnisse in der Pfadanalyse stützen die Ergebnisse der Ausgangsanalysen.

Diskussion: Für die Annahme einer vollständigen Mediation des Einflusses der psychosozialen Arbeitsbedingungen auf die emotionale Erschöpfung – als einer der Kerndimensionen von Burnout – über die Informationsüberflutung liegen demnach keine stützenden Befunde vor. Vielmehr weisen die Ergebnisse auf eine geringfüge Teilmediation hin.

Take Home Message für die Praxis: Informationsüberflutung kann eher als ein Faktor unter vielen angesehen werden, der die emotionale Erschöpfung beeinflussen.

Interessenkonflikte: Keine