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Gesundheit gestalten

Deutsche Gesellschaft für Allgemeinmedizin und Familienmedizin (DEGAM), Deutsche Gesellschaft für Sozialmedizin und Prävention (DGSMP), Netzwerk Evidenzbasierte Medizin e.V. (EbM), Deutsche Gesellschaft für Medizinische Soziologie (DGMS)
30.09.2026-02.10.2026
Göttingen

Meeting Abstract

Befragung schwangeren Frauen in Beruf, Studium und Ausbildung: Einbindung und Umsetzung von Maßnahmen des Mutterschutzes in Deutschland

Nicola Häberle - FFAW: Freiburger Forschungsstelle für Arbeitswissenschaften GmbH, Freiburg, Deutschland
Marius Quernes - FFAW: Freiburger Forschungsstelle für Arbeitswissenschaften GmbH, Freiburg, Deutschland
Hans-Joachim Lincke - FFAW: Freiburger Forschungsstelle für Arbeitswissenschaften GmbH, Freiburg, Deutschland

Text

Hintergrund: Der Mutterschutz ist ein wesentlicher Bestandteil familienfreundlicher Organisationen und dient dem Schutz von Gesundheit, Sicherheit und wirtschaftlicher Stabilität werdender und stillender Mütter. In Deutschland sind entsprechende Regelungen im Mutterschutzgesetz (MuSchG) verankert, welche Arbeitsbedingungen während Schwangerschaft und Stillzeit sowie den Zeitraum vor und nach der Geburt definieren.

Zielsetzung/Fragestellung: Angesichts gesellschaftlicher Veränderungen, steigender Erwerbsbeteiligung von Frauen und sich wandelnder Arbeitsformen gewinnt die Analyse der Umsetzung der mutterschutzrechtlichen Bestimmungen zunehmend an Bedeutung. Ziel dieses Beitrags ist es, die in Betrieben umgesetzten Maßnahmen im Rahmen des MuSchG zu analysieren und die Perspektive sowie Interessen schwangerer Beschäftigter darzustellen.

Material & Methoden: Die Studie basiert auf einer querschnittlichen Befragung schwangerer Frauen zwischen Mai und Oktober 2025. Zum Einsatz kamen der Copenhagen Psychosocial Questionnaire (COPSOQ) sowie ergänzende Fragen zur Umsetzung von im MuSchG verankerten Maßnahmen. Neben deskriptiven Analysen wurden Zusammenhänge mittels Chi-Quadrat-Test untersucht (Cramérs V).

Ergebnisse: Insgesamt nahmen 1.160 Schwangere an der Befragung teil (88% berufstätig). Die Umsetzung des MuSchG wird von den Befragten überwiegend positiv bewertet. Am häufigsten werden Gesprächsangebote (n = 556) und Anpassungen der Arbeitsbedingungen (n = 414) berichtet. Hinsichtlich der Information über mutterschutzrechtliche Ansprüche zeigt sich eine signifikant schwache Abhängigkeit von der Betriebsgröße: 43,8% der Frauen in Betrieben mit ≤ 49 Beschäftigten, 60,0% in Betrieben mit 50–999 Beschäftigten und 68,5% in Betrieben mit ≥ 1000 Beschäftigten fühlen sich ausreichend informiert (Cramérs V = 0,18; p < 0,001).

Diskussion: Trotz Information des Betriebs über die Schwangerschaft berichten nicht alle Befragten von konkreten Maßnahmen. Die Annahme, dass Arbeits- und Gesundheitsschutz in größeren Betrieben stärker institutionalisiert ist, bestätigt sich überwiegend. Aus Sicht der Schwangeren sind insbesondere klare, verlässliche und gut kommunizierte Regelungen wichtig, die eine praktische Umsetzung des Mutterschutzes und eine Anpassung der Arbeitsorganisation an die Schwangerschaft ermöglichen.

Take Home Message für die Praxis: Frühe und strukturierte Gespräche sowie transparente Informationen über Rechte sind zentrale Elemente, um den Mutterschutz im Sinne des MuSchG wirksam umzusetzen und individuelle Bedürfnisse schwangerer Beschäftigter angemessen zu berücksichtigen.

Interessenkonflikte: Die Studie wurde vom BMBFSFJ beauftragt. Es liegt kein Interessenskonflikt vor.