Logo

Gesundheit gestalten

Deutsche Gesellschaft für Allgemeinmedizin und Familienmedizin (DEGAM), Deutsche Gesellschaft für Sozialmedizin und Prävention (DGSMP), Netzwerk Evidenzbasierte Medizin e.V. (EbM), Deutsche Gesellschaft für Medizinische Soziologie (DGMS)
30.09.2026-02.10.2026
Göttingen

Meeting Abstract

Innovative Arbeitszeitmodelle für Pflegekräfte im Krankenhaus: eine qualitative Studie unter Beschäftigten und Führungskräften zu den Chancen, Herausforderungen und ihrem potentiellen Nutzen

Lisa Guthardt - Heinrich-Heine Universität, Centre for Health and Society, Medizinische Fakultät und Universitätsklinikum Düsseldorf, Institut für Arbeits-, Sozial- und Umweltmedizin, Düsseldorf, Deutschland; Universität Duisburg-Essen, Medizinische Fakultät, Institut für Allgemeinmedizin, Gruppe Primärversorgungsforschung, Essen, Deutschland
Sophia Siewert - Deutsches Krankenhausinstitut, Deutschland
Julia Salandi - Heinrich-Heine Universität, Centre for Health and Society, Medizinische Fakultät und Universitätsklinikum Düsseldorf, Institut für Arbeits-, Sozial- und Umweltmedizin, Düsseldorf, Deutschland
Sabine Löffert - Deutsches Krankenhausinstitut, Deutschland
Ann Katrin Parloh - Deutsches Krankenhausinstitut, Deutschland
Anna von Ameln - Deutsches Krankenhausinstitut, Deutschland
Adrian Loerbroks - Heinrich-Heine Universität, Centre for Health and Society, Medizinische Fakultät und Universitätsklinikum Düsseldorf, Institut für Arbeits-, Sozial- und Umweltmedizin, Düsseldorf, Deutschland

Text

Hintergrund: Die Arbeitsbedingungen in den meisten Krankenhäusern sind von Fachkräftemangel, hoher personeller Fluktuation und krankheitsbedingten Ausfallzeiten geprägt. Pflegekräfte weisen oftmals eine hohe psychische und körperliche Belastung und Erschöpfung auf. Innovative Arbeitszeitmodelle (z.B. Flex-Pool, 4-Tage-Woche) sollen sich an die Bedürfnisse der Beschäftigten richten und Arbeitsbelastungen reduzieren.

Zielsetzung/Fragestellung: Da immer mehr Krankenhäuser flexible Arbeitszeitmodelle anbieten, die wissenschaftliche Studienlage dazu jedoch noch sehr begrenzt ist, sollen in dieser Studie Perspektiven von Beschäftigten und Führungskräften zu einzelnen Modellen dargelegt werden, um mögliche Stärken, Schwächen, Auswirkungen und Verbesserungsmöglichkeiten zu eruieren.

Material & Methoden: Verschiedene Modelle wurden anfangs mit einer systematischen Recherche erfasst. Im Anschluss wurden von Oktober 2025 bis Januar 2026 semistrukturierte qualitative Einzelinterviews mit insgesamt 22 Personen durchgeführt (10 Pflegekräfte, 12 Führungskräfte, digital und telefonisch). Nach Transkription werden die Daten nun mittels qualitativer Inhaltsanalyse nach Kuckartz mit MAXQDA in einem multiprofessionellen Team von Analyst:innen ausgewertet.

Ergebnisse: Die Auswertung wird bis zum Kongress abgeschlossen sein. Erste Analysen zeigen, dass sich die Modelle unterschiedlich auf die Vereinbarkeit von Arbeit und Privatleben bzw. Familie auswirken können (z.B. weniger Zeit für Familie an Arbeitswochenenden oder mehr Zeit mit Partner:in, wenn beide flexibel arbeiten). Die Auswirkungen auf die Versorgung von Patient:innen scheinen insgesamt positiv (z.B. mehr Zeit für Patient:innen und ein entspannterer Umgang). Nachteile und Hindernisse umfassen kräftezehrendere Schichten oder eine geringe Bereitschaft, an Modellen teilzunehmen.

Diskussion: Es scheint schwierig, ein optimales Modell für alle Beschäftigten und Stationen festzulegen. Zentrale Voraussetzung für die erfolgreiche Nutzung und Verankerung von Modellen sind Freiwilligkeit, erfolgreiche und regelmäßige Kommunikation zwischen Planenden, Führungskräften und unter Einbezug von Beschäftigten sowie guter Kontakt und Vertrauen zu den Kolleginnen und Kollegen.

Take Home Message für die Praxis: Bei der Umsetzung flexibler Arbeitszeitmodelle ist es notwendig, auf die verschiedenen Bedürfnisse einzugehen, im steten Dialog zwischen allen Parteien zu bleiben und das generelle Teamgefühl und die Arbeitsatmosphäre zu stärken.

Interessenkonflikte: Keine Interessenskonflikte