- Conferences Overview
- Gesundheit gestalten
- Untersuchung von nicht kooperationsfähigen Patient:innen mit Intelligenzminderung mittels oral verabreichtem Midazolam
Gesundheit gestalten
30.09.2026-02.10.2026
Göttingen
Gesundheit gestalten
Untersuchung von nicht kooperationsfähigen Patient:innen mit Intelligenzminderung mittels oral verabreichtem Midazolam
Text
Hintergrund: In Deutschland leben etwa 0,5–1 Millionen Menschen mit Intelligenzminderung (IM), denen zu bestimmten medizinischen Leistungen häufig kein gleichberechtigter Zugang möglich ist. Medizinische Zentren für Erwachsene mit Behinderung (MZEB) bieten hierfür eine spezialisierte Versorgung. Eine häufige Herausforderung ist die mangelnde Kooperationsfähigkeit bei Diagnostik oder Therapie. Während die Sedierung mit Midazolam bei Kindern etabliert ist, fehlen für Erwachsene weitgehend entsprechende Dosierungsangaben.
Zielsetzung/Fragestellung: Inwiefern eignet sich Midazolam zur Sedierung erwachsener Patient:innen mit mangelnder Kooperationsfähigkeit im Rahmen diagnostischer Maßnahmen?
Material & Methoden: Mittels retrospektiver Analyse anonymisierter Akten wurden die Primärdaten von diagnostischen Prozeduren unter Sedierung in einem kooperierenden MZEB von Januar 2021 bis November 2023 erhoben. Die statistische Auswertung erfolgte mit SPSS (Version 29).
Ergebnisse: Im Beobachtungszeitraum wurden 807 Patient:innen im MZEB behandelt. Davon fand bei 112 (65 männlich; 47 weiblich) mindestens einmal Diagnostik unter Sedierung statt (13,9%). In 56% (n=63) war eine initiale orale Sedierung erforderlich, weil keine Venenpunktion zugelassen wurde. In 50% (n=57) wurde dafür Midazolamsaft eingesetzt. Die verwendete mittlere Midazolamdosis betrug 26,7 mg (Dosisbereich 8–80mg). Sowohl Einzel- als auch Kumulativdosis lagen über dem in der Fachinformation angegebenen Bereich. Bei 8% (n=5) der Patient:innen wurde das Prozedere abgebrochen, weil der gewünschte Effekt nicht eintrat. Klinisch relevante, sedierungsbedingte Ereignisse wurden nicht beobachtet. Bei 69,6% der Patient:innen wurde durch die Diagnostik ein bislang unbekannter, auffälliger Befund festgestellt, der zu Therapieanpassungen oder zusätzlicher Diagnostik führte.
Diskussion: Die Diagnostik unter Sedierung ermöglichte bei vielen nicht kooperationsfähigen Erwachsenen mit IM die Diagnose klinisch relevanter Befunde. Midazolam kann hierfür eingesetzt werden, erfordert jedoch häufig hohe Dosierungen; weitere Studien zum Verfahren sind notwendig. Bei sorgfältiger Indikationsstellung sowie ethischer und rechtlicher Abwägung ist sie ein wertvolles Instrument für einen gleichberechtigten Zugang zur Diagnostik.
Take Home Message für die Praxis: Orale Sedierung mit Midazolam kann Diagnostik bei nicht kooperationsfähigen Erwachsenen ermöglichen, bedarf aber sorgfältiger Abwägung und benötigt oft hohe Dosierungen.
Interessenkonflikte: Keine Interessenskonflikte



