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Gesundheit gestalten

Deutsche Gesellschaft für Allgemeinmedizin und Familienmedizin (DEGAM), Deutsche Gesellschaft für Sozialmedizin und Prävention (DGSMP), Netzwerk Evidenzbasierte Medizin e.V. (EbM), Deutsche Gesellschaft für Medizinische Soziologie (DGMS)
30.09.2026-02.10.2026
Göttingen

Meeting Abstract

Entwicklung empirischer Schwellenwerte für patientenorientierte Gesundheitsinformationen: ein korpusbasierter Validierungsrahmen für deutsche Lesbarkeitsmetriken

Gregor Wenzel - Deutsche Krebsgesellschaft e.V., Leitlinien und evidenzbasierte Medizin, Deutschland
Anja Jacobs - Deutsche Krebsgesellschaft e.V., Leitlinien und evidenzbasierte Medizin, Deutschland
Thomas Langer - Deutsche Krebsgesellschaft e.V., Leitlinien und evidenzbasierte Medizin, Deutschland

Text

Hintergrund: Für deutschsprachige patientenorientierte Gesundheitsinformationen fehlen bislang empirisch validierte Standards zur Verständlichkeitsbewertung. Verfügbare Lesbarkeitsmetriken beruhen meist auf Oberflächenmerkmalen und wurden kaum gegen tatsächliche Verständlichkeitsurteile von Laien validiert.

Zielsetzung/Fragestellung: Ziel des Projekts ist die Entwicklung empirisch begründeter Schwellenwerte für die Verständlichkeit deutschsprachiger Gesundheitsinformationen und die Vorbereitung ihrer Validierung anhand von Laienbewertungen.

Material & Methoden: Analysiert wurden 2.347 deutschsprachige Gesundheitsinformationsdokumente aus öffentlichen Gesundheitsportalen. Automatisiert berechnet wurden linguistische Metriken zu Lesbarkeit, Syntax, Informationsdichte, morphologischer Komplexität und medizinischer Fachwortdichte. Mittels Varianzanalyse wurden Unterschiede zwischen Quellentypen geprüft. Eine Hauptkomponentenanalyse diente der Identifikation latenter Dimensionen und redundanter Metriken. Die Analysepipeline wurde mit Open-Source-Werkzeugen implementiert.

Ergebnisse: Der mittlere Flesch-Lesbarkeitswert betrug 38,7 (SD 10,7), die Informationsdichte 0,38 (SD 0,03) und die morphologische Komplexität 0,24 (SD 0,08). Zwischen den Quellentypen zeigten sich signifikante Unterschiede insbesondere für Lesbarkeit, Informationsdichte und Fachwortbelastung (jeweils p<0,001). Die Informationsdichte reichte von 0,11 in besonders zugänglichen Verbraucherinformationen bis 0,50 in klinisch geprägten Texten. Es ließen sich zwei dominante Dimensionen identifizieren: Oberflächenlesbarkeit und Informationsdichte. Die starke negative Korrelation zwischen Lesbarkeit und Wortschwierigkeit (r=-0,95) spricht für eine erhebliche Redundanz etablierter Standardmetriken.

Diskussion: Die Ergebnisse liefern eine empirische Grundlage für Referenz- und Schwellenwerte zur Bewertung deutschsprachiger Gesundheitsinformationen. Im nächsten Schritt soll geprüft werden, welche automatisierten Metriken das tatsächliche Textverständnis von Laien am besten vorhersagen.

Take Home Message für die Praxis: Für patientenorientierte Gesundheitsinformationen werden empirisch validierte Verständlichkeitsstandards benötigt. Der vorgestellte Ansatz schafft dafür eine datenbasierte Grundlage und kann perspektivisch die Entwicklung und Qualitätssicherung verständlicher Gesundheitsinformationen unterstützen.

Interessenkonflikte: Ideelle Interessen bestehen bezüglich der Entwicklung und Digitalisierung onkologischer Leitlinien. Es liegen keine finanziellen Interessen vor.