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Gesundheit gestalten

Deutsche Gesellschaft für Allgemeinmedizin und Familienmedizin (DEGAM), Deutsche Gesellschaft für Sozialmedizin und Prävention (DGSMP), Netzwerk Evidenzbasierte Medizin e.V. (EbM), Deutsche Gesellschaft für Medizinische Soziologie (DGMS)
30.09.2026-02.10.2026
Göttingen

Meeting Abstract

Zwischen Anspruch und Alltag: Übereinstimmungen und Spannungsfelder in Bewegungsgesprächen zwischen Hausärzt:innen und Patient:innen mit koronarer Herzkrankheit (OptiCor Studie)

Alicia Prinz - Institut für Allgemeinmedizin (ifam), Forschungsschwerpunkt Patient-Arzt-Kommunikation, Centre for Health and Society (chs), Medizinische Fakultät und Universitätsklinikum der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf, Düsseldorf, Deutschland
Verena Leve - Institut für Allgemeinmedizin (ifam), Centre for Health and Society, Medizinische Fakultät und Universitätsklinikum der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf, Düsseldorf, Deutschland
Sabrina Hoppe - Institut für Allgemeinmedizin (ifam), Forschungsschwerpunkt Patient-Arzt-Kommunikation, Centre for Health and Society (chs), Medizinische Fakultät und Universitätsklinikum der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf, Düsseldorf, Deutschland
Franziska Vogl - Institut für Allgemeinmedizin (ifam), Forschungsschwerpunkt Patient-Arzt-Kommunikation, Centre for Health and Society (chs), Medizinische Fakultät und Universitätsklinikum der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf, Düsseldorf, Deutschland
Antje Barkhoff - Institut für Allgemeinmedizin (ifam), Forschungsschwerpunkt Patient-Arzt-Kommunikation, Centre for Health and Society (chs), Medizinische Fakultät und Universitätsklinikum der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf, Düsseldorf, Deutschland
Elisabeth Gummersbach - Institut für Allgemeinmedizin (ifam), Centre for Health and Society, Medizinische Fakultät und Universitätsklinikum der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf, Düsseldorf, Deutschland
Anja Neuhaus - Patientenvertretung des OptiCor-Projekts und Leiterin der Herz-Gesprächsgruppe Düsseldorf, Düsseldorf, Deutschland
Ursula Kirchhof - Patientenvertretung des OptiCor-Projekts und ehrenamtliche Beauftragte der Deutschen Herzstiftung e.V., Deutschland
Rik Crutzen - Department of Health Promotion, Care and Public Health Research Institute (CAPHRI), Maastricht University, Maastricht, Niederlande
Stefan Wilm - Institut für Allgemeinmedizin (ifam), Centre for Health and Society, Medizinische Fakultät und Universitätsklinikum der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf, Düsseldorf, Deutschland
Sabrina Kastaun - Institut für Allgemeinmedizin (ifam), Forschungsschwerpunkt Patient-Arzt-Kommunikation, Centre for Health and Society (chs), Medizinische Fakultät und Universitätsklinikum der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf, Düsseldorf, Deutschland

Text

Hintergrund: Für Patient:innen mit koronarer Herzkrankheit (KHK) ist die hausärztliche Versorgung zentral für die Langzeitbetreuung. Im Praxisalltag stehen häufig medizinische Parameter und Medikation im Vordergrund. Die Nationale VersorgungsLeitlinie KHK empfiehlt darüber hinaus Gespräche über gesundheitsbezogenes Verhalten wie Bewegung. Die jeweiligen Wahrnehmungen solcher Bewegungsgespräche wurden bislang noch nicht systematisch gegenübergestellt.

Zielsetzung/Fragestellung: Vergleich der Perspektiven von Hausärzt:innen und Patient:innen mit KHK auf hausärztliche Bewegungsgespräche zur Identifikation von Übereinstimmungen und Spannungsfeldern.

Material & Methoden: Grundlage sind zwei separat ausgewertete qualitative Datensätze (03-10/2023) mit Hausärzt:innen (12 Interviews, 6 Fokusgruppen/n=37) und Patient:innen mit KHK (11 Interviews, 4 Fokusgruppen/n=22) in Nordrhein-Westfalen. Die transkribierten Daten wurden computergestützt inhaltsstrukturierend in einem multiprofessionellen Team ausgewertet. In einem interpretativen Syntheseschritt wurden die Ergebnisse aufeinander bezogen. Patient:innen und Hausärzt:innen waren am Forschungsprozess beteiligt.

Ergebnisse: Standardisierte Versorgungsstrukturen (DMP) ermöglichen effizientes Handeln, können von Patient:innen jedoch als schematische Behandlung erlebt werden. Obwohl Gespräche aus beider Sicht meist formal offen beginnen, zeigen sich häufig asymmetrische, teils hierarchische Kommunikationsmuster. Dies erschwert es Patient:innen, eigene alltagsbezogene Themen einzubringen; dialogische Aushandlungsprozesse mit aktivem Zuhören und wechselseitigem Austausch bleiben begrenzt. Zudem besteht ein Spannungsverhältnis zwischen zugeschriebener Eigenverantwortung und eingeschränkter Autonomie: Patient:innen erleben eine hohe Verantwortung für ihre Gesundheit. Ihre Erfahrungsperspektive findet jedoch in ärztlichen Beschreibungen begrenzt Berücksichtigung. Einigkeit besteht im Wunsch nach wertschätzender, vertrauensvoller Kommunikation.

Diskussion: Wahrnehmungen von Bewegungsgespräche sind geprägt von Spannungen zwischen standardisierten Strukturen, ärztlich dominierter Gesprächsführung und lebensweltlichen Perspektiven der Patient:innen. Eine stärker dialogische und beziehungsorientierte Ausrichtung erscheint sinnvoll.

Take Home Message für die Praxis: Bewegungsgespräche sollten dialogischer und lebensweltlicher gestaltet sowie eine partnerschaftliche Haltung im Sinne des Shared Decision Making gestärkt werden.

Interessenkonflikte: Keine