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Gesundheit gestalten
30.09.2026-02.10.2026
Göttingen
Gesundheit gestalten
Rollenverständnis und Leitlinienkompetenz von Hausärzt:innen im Umgang mit Depressionen
Text
Hintergrund: Hausärzt:innen kommt eine zentrale Rolle in der Diagnostik und Behandlung von Depressionen zu. In Deutschland erhalten rund 78% der Betroffenen ihre Diagnose in der hausärztlichen Versorgung, während etwa 54% primär von Hausärzt:innen behandelt werden. Zugleich zeigt die Evidenz, dass mehr als die Hälfte der Patient:innen in der hausärztlichen Versorgung keine leitliniengerechte Depressionstherapie erhält.
Zielsetzung/Fragestellung: Die Studie untersucht das Rollenverständnis und die Leitlinienkompetenz von Hausärzt:innen im Umgang mit Depressionen.
Material & Methoden: Im Rahmen eines Mixed-Methods-Designs wurden quantitative Daten anhand eines in Bayern per Post versandten Fragebogens erhoben (Rücklauf n=206) und deskriptiv-statistisch analysiert. Zudem wurden 19 leitfadengestützte semistrukturierte Interviews mit Hausärzt:innen aus ländlichen und städtischen Regionen durchgeführt und mittels qualitativer Inhaltsanalyse ausgewertet.
Ergebnisse: Die quantitative Erhebung ergab, dass sich Hausärzt:innen mehrheitlich als zuständig (83%) und überwiegend als kompetent (60%) in der Behandlung von Depressionen einschätzen. Lediglich 32% der Ärzt:innen gaben an, mit den nationalen Versorgungsleitlinien (NVL) unipolare Depression vertraut zu sein und 26% stimmten der Aussage zu, dass die NVL eine wichtige Rolle in ihrer Behandlung einnehmen.
Während Diagnostik und Weitervermittlung in den Interviews einhellig als genuin hausärztliche Aufgaben beschrieben werden, wird die Therapie von mehreren Ärzt:innen – insbesondere aus ländlichen Regionen – als Folge bestehender Versorgungsengpässe eingeordnet. Als zentrale Hinweise auf depressive Erkrankungen werden von 18 Interviewten somatische Beschwerden geschildert, während affektive bzw. kognitive Symptome in 14 bzw. 11 Interviews beschrieben werden. Neben der Symptomschwere und den Präferenzen der Patient:innen wird auch die eigene Unsicherheit als relevanter Einflussfaktor für therapeutische Entscheidungen genannt. Zugleich werden langjährige Arzt-Patienten-Beziehungen und das daraus resultierende Vertrauen als wichtige hausärztliche Ressource hervorgehoben.
Diskussion: Die Ergebnisse verdeutlichen die zentrale Rolle der Hausärzt:innen in der Depressionsversorgung und weisen zugleich auf Defizite in der Leitlinienkompetenz und -anwendung hin.
Take Home Message für die Praxis: Zur Unterstützung der hausärztlichen Depressionsversorgung sollten Leitlinienkompetenz und strukturelle Rahmenbedingungen gezielt gestärkt werden.
Interessenkonflikte: Die Studie wurde im Rahmen des Graduiertenkollegs POKAL durchgeführt, das von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) gefördert wird.



