Logo

Gesundheit gestalten

Deutsche Gesellschaft für Allgemeinmedizin und Familienmedizin (DEGAM), Deutsche Gesellschaft für Sozialmedizin und Prävention (DGSMP), Netzwerk Evidenzbasierte Medizin e.V. (EbM), Deutsche Gesellschaft für Medizinische Soziologie (DGMS)
30.09.2026-02.10.2026
Göttingen

Meeting Abstract

Hausärztliches Rollenverständnis in der Versorgung depressiver Erkrankungen – eine qualitative Interviewstudie

Veronika Deyerl - Universitätsklinikum Würzburg, Institut für Allgemeinmedizin, Würzburg, Deutschland
Laura Hofner - Universitätsklinikum Würzburg, Institut für Allgemeinmedizin, Würzburg, Deutschland; Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf, Klinik und Poliklinik für Neurologie, Hamburg, Deutschland
Elena Tiedemann - Universitätsklinikum Würzburg, Institut für Allgemeinmedizin, Würzburg, Deutschland
Ildikó Gágyor - Universitätsklinikum Würzburg, Institut für Allgemeinmedizin, Würzburg, Deutschland

Text

Hintergrund: Depressionen zählen weltweit zu den häufigsten psychischen Erkrankungen. Hausärzt:innen kommt hierbei in der Versorgung eine Schlüsselposition als „erste Anlaufstelle" und Koordinationsstelle der weiteren Behandlung zu. Inwieweit diese Rolle dem eigenen Selbstverständnis der Hausärzt:innen entspricht, ist bislang unklar.

Zielsetzung/Fragestellung: Ziel dieser Studie ist es, das Rollenverständnis von Hausärzt:innen bei der Behandlung depressiver Erkrankungen zu untersuchen und zu klären, für welche Aufgaben sie sich primär verantwortlich fühlen.

Material & Methoden: Es wurden 20 semi-strukturierte Leitfadeninterviews mit Hausärzt:innen in Bayern geführt, die zuvor durch ein purposiveful sampling ausgewählt wurden. Die Auswertung der transkribierten Interviews erfolgte mittels qualitativer Inhaltsanalyse nach Kuckartz.

Ergebnisse: Hausärzt:innen berichten, dass sie sich als fachlich geeignet sehen, Depressionen zu diagnostizieren und eine Basisbehandlung etwa durch Medikation und Gespräche mit Patient:innen über Ressourcen zur Bewältigung von Alltagsproblemen einzuleiten. Sie betonen hierbei ihre besondere Stärke in der langjährigen Vertrauensbeziehung zu ihren Patient:innen sowie ihre Funktion als niedrigschwellige Anlaufstelle. Zugleich berichten sie von hausärztlichen Grenzen insbesondere bei schwer erkrankten Patient:innen, die eine komplexe Medikation oder eine intensive Psychotherapie benötigen. Daraus resultiere ein ambivalentes Erleben, das von Zufriedenheit bei Behandlungserfolg, Frustration bei fehlender Therapieakzeptanz sowie Belastung durch hohe Verantwortlichkeit und ungedeckten Leidensdruck geprägt sei.

Diskussion: Das hausärztliche Rollenverständnis in der Depressionsbehandlung verbindet zentrale hausärztliche Kernkompetenzen wie Vertrautheit, Kontinuität und Zugänglichkeit mit strukturellen und fachlichen Grenzen, welche die Versorgung erschweren. Dennoch sehen sich Hausärzt:innen insbesondere bei leichteren Formen der Depression in der Lage die ambulante Behandlung maßgeblich zu übernehmen.

Take Home Message für die Praxis: Zur Verbesserung der hausärztlichen Versorgung depressiver Patient:innen sind strukturelle Unterstützung und klar definierte Schnittstellen im Versorgungsnetz erforderlich, um die Weitervermittlung von Patient:innen zu erleichtern, deren Behandlung über die hausärztliche Zuständigkeit hinausgeht.

Interessenkonflikte: Keine