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Gesundheit gestalten
30.09.2026-02.10.2026
Göttingen
Gesundheit gestalten
Die Versorgung psychischer Erkrankungen in der Hausarztpraxis: Ergebnisse der 6. Sächsischen Epidemiologischen Studien in der Hausarztpraxis (SESAM-6)
Text
Hintergrund: Psychische Erkrankungen sind von Relevanz für die hausärztliche Versorgung. Aktuelle Daten aus Deutschland hinsichtlich Prävalenz inklusive Komorbiditätsmustern, Neu-Diagnosen und Maßnahmen sind nur begrenzt.
Zielsetzung/Fragestellung: Welche psychischen Erkrankungen treten in der Allgemeinmedizin häufig auf, mit welchen Beratungsanlässen und Begleiterkrankungen gehen Sie einher und welche Maßnahmen ergreifen Hausärzte?
Material & Methoden: Im Rahmen der SESAM-6-Querschnittsstudie dokumentierten Hausärzte jeden fünften Arzt-Patienten-Kontakt an randomisierten Tagen über vier Wochen hinweg. Beratungsanlässe wurden via ICPC-2 und Dauerdiagnosen sowie Beratungsergebnisse (Neudiagnosen) via ICD-10 kodiert. Schätzungen für Prävalenz und Inzidenz von psychischen und Verhaltensstörungen (F00–F99) wurden auf Patientenebene berechnet. Komorbiditätsmuster, assoziierte Beratungsanlässe sowie Maßnahmen in Folge von neu dokumentierten F-Diagnosen wurden analysiert.
Ergebnisse: Insgesamt wurden n=7.746 Patienten und n=109 Hausärzte eingeschlossen. N=1.807 Patienten (23,3%) hatten mindestens eine dokumentierte F-Dauerdiagnose, und n=308 Patienten (4,0%) erhielten im Untersuchungszeitraum mindestens eine neu dokumentierte F-Diagnose. Die häufigsten prävalenten Störungen waren depressive Episoden (F32; 6,1%), somatoforme Störungen (F45; 4,7%) und Tabak-bezogene Störungen (F17; 3,8). Patienten mit prävalenten F-Diagnosen wiesen eine hohe Multimorbidität auf (Median: 6 Dauerdiagnosen) und konsultierten die Hausarztpraxis häufig aufgrund somatischer oder administrativer Beratungsanlässe. Die häufigsten inzidenten Diagnosen waren Reaktionen auf schwere Belastungen und Anpassungsstörungen (F43; 1,7%), depressive Episoden (F32; 0,67%) und sonstige Angststörungen (F41; 0,44%). Konsultationen mit inzidenten F-Diagnosen dauerten länger (Median: 15 Min) und gingen häufiger mit psychologischen Beratungsanlässen einher. Die häufigsten Maßnahmen bei neu dokumentierten F-Diagnosen waren psychosomatische Grundversorgung, Erstellung einer Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung und Wiedervorstellung (jeweils bis zu 27,5%, 27,3% sowie 22,6% pro Diagnosegruppe).
Diskussion: Patienten mit F-Dauerdiagnosen sind häufig multimorbide und dementsprechend in die Versorgung routinemäßig eingebunden. Neu-Diagnosen ergeben sich in Folge psychischer Problemlagen und werden innerhalb der Praxis durch niedrigschwellige Maßnahmen behandelt.
Take Home Message für die Praxis: Die Befunde unterstreichen die Rolle von Hausärzten bei der Erkennung, Behandlung und Koordination der Versorgung psychischer Erkrankungen.
Interessenkonflikte: Die Studie wurde vom SGAM e.V. finanziert. Fünf Autoren sind Mitglieder des SGAM e.V. und zwei Mitglieder sind (Vize-)Vorsitzende des Vereins.



