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Gesundheit gestalten

Deutsche Gesellschaft für Allgemeinmedizin und Familienmedizin (DEGAM), Deutsche Gesellschaft für Sozialmedizin und Prävention (DGSMP), Netzwerk Evidenzbasierte Medizin e.V. (EbM), Deutsche Gesellschaft für Medizinische Soziologie (DGMS)
30.09.2026-02.10.2026
Göttingen

Meeting Abstract

Berufliche Unterschiede beim Return-to-Work von Männern mit Prostatakrebs nach medizinischer Rehabilitation

Johannes Soff - Deutsche Krebsgesellschaft e.?V., Versorgungsforschung, Deutschland; Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf, Institut für Medizinische Soziologie, Deutschland
Nora Tabea Sibert - Universitätsklinikum Düsseldorf, Klinik für Geburtshilfe und Frauenheilkunde, Universitätsklinikum, Düsseldorf, Deutschland; Centrum für Integrierte Onkologie, Deutschland; Deutsche Krebsgesellschaft e.?V., Versorgungsforschung, Deutschland
Nico Dragano - Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf, Institut für Medizinische Soziologie, Deutschland
Christoph Kowalski - Deutsche Krebsgesellschaft e.?V., Versorgungsforschung, Deutschland

Text

Hintergrund: Mit etwa 16.000 Fällen pro Jahr ist Prostatakrebs die häufigste Krebsdiagnose bei Männern im erwerbsfähigen Alter (20–64 Jahre). Während die Bedeutung einer Rückkehr ins Erwerbsleben (Return-to-Work, RTW) mittlerweile bei vielen Krebserkrankungen von Politik, Versorgung und Forschung thematisiert wird, ist dies beim Prostatakrebs noch kaum der Fall und Forschung zu arbeitsbezogenen Zielgrößen fehlt.

Zielsetzung/Fragestellung: Ermittlung berufsspezifischer Erwerbsverläufe und Leistungsbezüge von Prostatakrebsrehabilitanden.

Material & Methoden: Die Analysen basieren auf der Reha-Statistik-Datenbasis Verlaufserhebung der Deutschen Rentenversicherung. Eingeschlossen in die Analyse wurden Männer im erwerbsfähigen Alter, die im Zeitraum 2012–2022 eine Anschlussrehabilitation aufgrund einer Prostatakrebsdiagnose abgeschlossen hatten. Die zuletzt ausgeübte Tätigkeit wurde nach der ISCO-08 berichtet. Mittels Restricted-Mean-Survival-Time-Analysen und Cox-Hazard-Modellen wurden RTW-relevante Zustände innerhalb eines Beobachtungszeitraums von 5 Jahren analysiert. In den Regressionsmodellen wurden die konfundierenden Variablen Bildung, Alter und Staatsangehörigkeit berücksichtigt.

Ergebnisse: Bei Abschluss der Rehabilitation waren 90% der 47.910 Personen arbeitsunfähig. Innerhalb von 2 Jahren nach der Rehabilitation erreichten 65% (n = 29.451) einen ununterbrochenen RTW von mindestens 6 Monaten. Die Erwerbsdauer innerhalb von 5 Jahren nach der Reha reichte von 27 Monaten bei Hilfskräften bis zu 32 Monaten bei Führungskräften und akademischen sowie technischen Berufen. In den adjustierten Regressionsanalysen waren Berufsgruppen wie Hilfs- (HR: 0,81; 95%-CI: 0,77–0,85; n = 2.590) und Fachkräfte (HR: 0,74; 95%-CI: 0,69–0,78; n = 1.911) im Bau, Betreuungsberufe (HR: 0,81; 95%-CI: 0,67–0,98; n = 197) oder Mechaniker (HR: 0,88; 95%-CI: 0,84–0,91; n = 3.972) mit einem höheren Risiko eines ausbleibenden RTW assoziiert. Berufsgruppen wie akademische Fachkräfte in der IT (HR: 1.39; 95%-CI: 1,28–1,51; n = 842) oder kaufmännische Führungskräfte (HR: 1,28; 95%-CI: 1,20–1,37; n = 1.282) wiesen die höchste RTW-Wahrscheinlichkeit auf.

Diskussion: Körperlich belastende Berufe sind mit geringerem RTW-Erfolg assoziiert, akademische und kaufmännische Berufe mit höheren RTW-Raten. Dies unterstreicht den Bedarf an berufsgruppenspezifischen Rehabilitationsmaßnahmen.

Take Home Message für die Praxis: Trotz hoher Arbeitsunfähigkeit am Reha-Ende kehren 65% der Prostatakrebsrehabilitanden innerhalb von zwei Jahren ins Erwerbsleben zurück, jedoch mit deutlichen berufsspezifischen Unterschieden.

Interessenkonflikte: Christoph Kowalski, Nora Tabea Sibert und Johannes Soff sind Mitarbeiter der Deutschen Krebsgesellschaft.