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Gesundheit gestalten

Deutsche Gesellschaft für Allgemeinmedizin und Familienmedizin (DEGAM), Deutsche Gesellschaft für Sozialmedizin und Prävention (DGSMP), Netzwerk Evidenzbasierte Medizin e.V. (EbM), Deutsche Gesellschaft für Medizinische Soziologie (DGMS)
30.09.2026-02.10.2026
Göttingen

Meeting Abstract

Entwicklung der Arbeitsunfähigkeitszeiten von Auszubildenden

Sveja Eberhard - AOK Niedersachsen, Politik, Forschung & Presse, Deutschland
Wiebke Böhne - AOK Niedersachsen, Politik, Forschung & Presse, Deutschland

Text

Hintergrund: In den Medien und in politischen Diskussionen wird immer wieder thematisiert, dass Auszubildende seit dem Ende der Pandemie häufiger und länger krankgeschrieben seien, insbesondere aufgrund psychischer Erkrankungen. Die Aussagen basieren allerdings häufig auf einem gefühlten Eindruck oder auf Einzelfällen, die sich nur schwer verallgemeinern lassen.

Zielsetzung/Fragestellung: Wir haben mit Hilfe von GKV-Routinedaten geprüft, ob die Hypothese zutrifft, dass Azubis seit Ende der Pandemie öfter und länger krankgeschrieben sind.

Material & Methoden: Basis der Analyse sind AU-Daten der AOK Niedersachsen von 2016 bis 2025 mit insgesamt knapp 1,3 Mio. krankengeldberechtigten Mitgliedern, darunter rund 100.000 Auszubildende. Die Entwicklung bei Auszubildenden wird in Bezug auf alle Erkrankungen, als auch spezifisch auf psychische Diagnosen untersucht und ins Verhältnis zur Entwicklung aller Arbeitnehmer:innen gesetzt.

Ergebnisse: Im Ergebnis wird deutlich, dass es keine auffälligen Entwicklungen bei den Arbeitsunfähigkeitszeiten der Auszubildenden gibt. Azubis sind im Schnitt insgesamt häufiger, aber dafür kürzer krankgeschrieben als alle Versicherten (Azubis: rd. 4,5 Krankmeldungen pro Person und Jahr, vs. 2,4 Fällen bei allen Arbeitnehmern:innen. Azubis: 4,6 Tage Dauer pro Fall vs. 10,1 Tage bei allen). Der Anteil der Arbeitsunfähigkeitstage aufgrund psychischer Diagnosen liegt bei rund 12% und hat sich über die betrachtete Zeit nicht wesentlich verändert. Sichtbar wird zudem der sprunghafte Anstieg des Krankenstandes im Jahr 2022. Dieser ist in allen Altersgruppen zu finden und insbesondere auf die Einführung der eAU zurückzuführen.

Diskussion: Im Vortrag wird auf die Entwicklung des Krankenstandes bei Azubis im Vergleich zu allen Arbeitnehmern eingegangen (Häufigkeit, Dauer, Diagnosen) sowie Möglichkeiten und Grenzen der GKV-AU-Daten diskutiert. Zur Diskussion stehen ferner die Ursachen und Einflussfaktoren auf die gezeigten Entwicklungen.

Take Home Message für die Praxis: In den AU-Daten der AOK Niedersachsen finden sich keine Hinweise, dass Auszubildende seit der Pandemie insgesamt deutlich häufiger oder länger krankgeschrieben sind als zuvor.

Interessenkonflikte: Keine