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Gesundheit gestalten
30.09.2026-02.10.2026
Göttingen
Gesundheit gestalten
Diagnosestellung postakuter Infektionssyndrome: hausärztliche versus spezialisierte universitäre Perspektive – eine qualitative Analyse
Text
Hintergrund: Postakute Infektionssyndrome (PAIS) werden seit langem mit einer Vielfalt unspezifischer Symptome – beispielsweise Fatigue, Kognitionsstörungen, Schmerzen, Schlafstörungen und Postexertioneller Malaise – beschrieben. Eine nicht abschließend geklärte Pathogenese, eine Vielfalt von Subgruppen sowie ein breites Spektrum diagnostischer Kriterien führen zu Herausforderungen in der Diagnosestellung. Patient:innen erleben Fehlversorgung in beträchtlichem Maße. Nach der Long-COVID-Richtlinie des Gemeinamen Bundesauschuss (LongCOV-RL) übernehmen Hausärzt:innen die Basisdiagnostik sowie Koordination der Versorgung und universitäre Spezialambulanzen unterstützen dabei bedarfsorientiert.
Zielsetzung/Fragestellung: Ziel dieser Arbeit war zu erfassen, wie die Diagnose PAIS aus Sicht von Hausärzt:innen (HÄ) und Ärzt:innen aus universitären Spezialambulanzen (ÄSp) gestellt wird und welche Aspekte sich in diesem Zusammenhang als relevant identifiziert lassen.
Material & Methoden: Orientiert an Rahmenwerken der PAIS-Versorgung und der TICD Checkliste wurde ein Leitfaden für semistrukturierte Interviews entwickelt. HÄ wurden über eine bundesweite Zufallsstichprobe, ÄSp über eine Liste auf der Webseite des Bundesgesundheitsministeriums und das bestehende Netzwerk zur Teilnahme eingeladen. Nach Aufzeichnung mittels Audioaufnahmegerät und Transkription werden die Interviews qualitativ inhaltsanalytisch nach Kuckartz ausgewertet.
Ergebnisse: Zwischen Juni und Oktober 2025 wurden 24 telefonische oder onlinebasierte Interviews durchgeführt (n = 12 HÄ, n=12 ÄSp). Die Interviews befinden sich derzeit in der vertieften Analyse. Erste Ergebnisse zeigen neben Lücken in der Umsetzung der LongCOV-RL auf diagnostischer Ebene Herausforderungen und Unsicherheiten in der Anwendung von Krankheitsdefinitionen und in der Abgrenzung zu anderen Krankheitsbildern. Erste Analysen deuten auf Unterschiede aber auch relevante Überlappungen in der Herangehensweise der Diagnosestellung inklusive Schweregraderfassung zwischen HÄ und ÄSp hin.
Diskussion: Die Ergebnisse werden vor dem Hintergrund einer bedarfsgerechten Unterstützung der HÄ als primäre Ansprechpartner im diagnostischen Prozess im Kontext von PAIS diskutiert.
Take Home Message für die Praxis: Die Diagnosestellung – und damit auch der Ausschluss von PAIS – konfrontiert mit Unsicherheiten, stellt jedoch zugleich ein zentrales Element für eine bedarfsgerechte und zeitnahe Versorgung im Sinne der LongCOV-RL dar.
Interessenkonflikte: Keine



